Salzburger Festspiele : Papageno und die Kammer des Schreckens

29.07.2012 00:00 Uhrvon
Rette mich, wer kann. Bernard Richter als Tamino in der Salzburger "Zauberflöte". Foto: AFP
Rette mich, wer kann. Bernard Richter als Tamino in der Salzburger "Zauberflöte". - Foto: AFP

Salzburger Festspiele: Start der Intendanz von Alexander Pereira mit Mozarts „Zauberflöte“, die Nikolaus Harnoncourt zur Eröffnung grandios dirigiert. Dazu kommen szenischer Boulevard-Klamauk und wenig überzeugende Sängerleistungen.

„Sein Geist ist kühn, sein Herz ist rein – bald wird er unser würdig sein!“ Alexander Pereira konnte gar nicht anders, als zum Start seiner Intendanz bei den Salzburger Festspielen „Die Zauberflöte“ anzusetzen. Die letzte, rätselhafte Oper Mozarts, das beliebteste Repertoirestück des klassischen Kanons und eine Säule der Festspielgeschichte seit 1928. 211-mal war die „Zauberflöte“ hier schon im Sommer zu sehen. Nicht immer so „exzellent“, wie Pereira sich das vorstellt.

„Salzburg hat wieder Boden zurückzugewinnen. Wir müssen Mozart-Aufführungen produzieren, die man anderswo nicht besser hören kann“, verkündete er im Vorfeld.

Wenn einer das schafft, dann der 1947 in Wien geborene Spross einer portugiesisch-österreichischen Adelsfamilie, studierter Betriebswirt und ausgebildeter Sänger, der für die Tourismusbranche und den Schreibmaschinenhersteller Olivetti arbeitete, bevor er zum Kulturmanagement kam. Ein Mann, der erst das Wiener Konzerthaus auf Augenhöhe mit dem berühmten Musikverein brachte und dann 21 Jahre an der Oper Zürich mit einem ununterbrochenen Star- und Premierenfeuerwerk betuchte Schweizer wie internationale Sponsoren begeisterte. Zwei Mal war Alexander Pereira im Rennen um den Salzburger Job unterlegen, erst wurde ihm Peter Ruzicka vorgezogen, dann Jürgen Flimm.

Nun also kann er beweisen, dass er der Richtige ist. Ein Wiedergänger des „Zauberflöten“-Librettisten Emanuel Schikaneder, ein Macher, der rechnen kann, ein begnadeter Selbstdarsteller, ein geschmeidiger Charmeur, der zum Premierenabend im weißen Dinnerjacket die Honneurs macht, kurz, ein Impresario, der weiß, was die Leute wollen. Auf jeden Fall keine Regietheaterexzesse.

„All die Maschinengewehre, Panzer und nackten Unterleiber, die wir jahrauf, jahrab anschauen müssen, nur weil Regisseure finden, das sei ungeheuer erotisch und kritisch! Das hat sich ausgereizt, das ist Betrug am Zuschauer“, schimpfte Pereira jüngst im „Spiegel“. Darum hat er seine Getreuen um sich geschart, Sven-Eric Bechtolf zum Salzburger Schauspielchef gemacht, dem Schauspielregisseur Jens-Daniel Herzog, der bei ihm in Zürich 1999 als Operninszenator debütierte, die Eröffnungspremiere der „Zauberflöte“ anvertraut. Er wird den in Salzburg traditionell verschmähten Puccini rehabilitieren, mit einer von Anna Netrebkos Mitwirkung gekrönten „Bohème“ kommende Woche, er bringt mehr Neuproduktionen heraus als jeder seiner Vorgänger, das Kartenkontingent wurde um 25 Prozent aufgestockt und zum krönenden Abschluss wird es einen Ball mit Galadiner geben. Ab jetzt wird wieder ganz großes Zaubertheater gemacht in Salzburg. Oder um es mit Schikaneders Worten zu sagen: „Bald prangt, den Morgen zu verkünden, die Sonn’ auf goldner Bahn. Bald soll der finstre Irrwahn schwinden, bald siegt der weise Mann!“

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