Kultur : Samarkand

Stephan-Andreas Casdorff

Wollen wir reisen? Nach Samarkand oder nach Buchara, uns treffen mit kirgisischem Adel, der Prinzessin, in reiche Brokatstoffe gehüllt, barfüßig, mit einem Körper, der nach Schweiß riecht und süßlichem Parfüm? Das sind Reisen!

Zum Thema Online Spezial: Die große Sonderseite zur Buchmesse
Service buecher.de: Dieses Buch online bestellen
Die ältere Frau, die im Nachtzug fährt, eine Erzählung ihres Mannes liest und darin nach Spuren ihrer Ehe sucht, wie im richtigen Leben. Die schöne Amelia, die sich in einen Revolutionsgeneral verliebt und ihm folgt, zurückkehrt, alt und arm, aber mit einem Augen-Blick, in dem ein wilder und zugleich sanfter Ausdruck liegt, der alle Nuancen der Leidenschaft verrät. Das sind Menschen, denen wir begegnen können. Und glauben wir uns auf sicherem Terrain, kommt uns eine neue Wirklichkeit entgegen, Sergio Pitols Wirklichkeit, die verwoben ist mit der anderen. Seine ist die, in der im Haus der schönen, alten, toten Amelia inzwischen eine Diskothek eröffnet ist, vielleicht. In die andere verführt er uns, sie ist die, mit der er spielt: Samarkand. Buchara. „Es ist gut möglich, dass Issa, die italienische Malerin, auf ihrer Reise nach Mittelasien durch Buchara kam. Vielleicht wurde sie dort von der Krankheit befallen, die ihr den Verstand raubte und über die wir nie Näheres in Erfahrung bringen konnten.“ Verstehen Sie? Er nimmt uns mit, hält uns an, zum Nachdenken, Hinterher-Denken. Indem er uns erzählt, was es bedeutet zu erzählen, und schreibt, wie es ist, zu schreiben, und dann schreibt: Erzählungen. Sind das Reisen. Große.

Sergio Pitol: Mephistowalzer. Erzählungen. Aus dem mexikanischen Spanisch von Angelica Ammar. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin. 120 Seiten, 13,90 €.

0 Kommentare

Neuester Kommentar