Kultur : Samba und Saufen

Im Kino: „Die Kampfmaschine“ mit David Hemmings

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Machos! Kerle! Testosteron! Männer haben’s schwer. Also brauchen sie – in diesen unseligen Zeiten der Gleichberechtigung – Filme wie „Bube, Dame, König, Gras“ und „Snatch“, gegen die sich David Finchers „Fight Club“ geradezu verträumt ausnimmt. Der neueste Film zur Tröstung gestürzter Patriarchen, „Die Kampfmaschine“, stammt aus dem Mutterland der zeitlos harten Burschen – aus Großbritannien.

Um vor den Weibern wirklich Ruhe zu haben, muss ein Mann nach Schlupfwinkeln suchen. „Die Kampfmaschine“ spielt daher, wie die gleichnamige US-Vorlage von 1974, im Knast. Der Ex-Nationalspieler Danny, passenderweise gespielt von Ex-Fußballer Vinnie Jones, muss wegen Körperverletzung drei Jahre absitzen. Zunächst sind Insassen wie Wärter gegen ihn, weil er Jahre zuvor in einem Länderspiel absichtlich einen Elfmeter vergeigt hat. Zentimeter um Zentimeter muss er sich Respekt erkämpfen, damit er eine Sträflingsmannschaft zusammenstellen kann, die gegen die Wärter antreten soll.

Ein klassischer Plot: Der Held wird gerufen, um Prüfungen zu bestehen. Streng nach mythologischem Vorbild gibt es den Mentor, den Antagonisten, der sich schließlich zum Freund wandelt - und den scheinbaren Mentor, der sich am Ende als größter Antagonist erweist. Ein ganzer Stab männlicher Drehbuchautoren hat das tadellos erzählt. Nach Höhepunkt und Katharsis weiß man: Ein Mann ist nur ein Mann, wenn er sich nicht von Schweinen zum Schwein machen lässt.

Im Übrigen ist das Weltbild einfach gestrickt. Der Schwache wird ausgelacht; weiter kommt, wer prügeln, saufen, Fußball spielen und ficken kann. Die gute Fußballmannschaft trainiert zu Sambamusik, die böse zu Wagnerklängen. Einzig überraschend ist die Wiederbegegnung mit David Hemmings. Der schöne Fotograf aus „Blow-Up“, dessen Physiognomie nicht gerade von frohen Erfahrungen kündet, spielt den Gefängnisdirektor. In seinen aufgedunsenen Zügen blitzt gelegentlich die einstige arrogante Sinnlichkeit auf. Männer haben’s schwer? Hemmings sieht man es an. Susanna Nieder

In Berlin in elf Kinos; Originalversion im Cinestar Sony Center

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