Kultur : Sammler von Augenblicken

London im Zweiten Weltkrieg. Eine Dienstmagd im Teenageralter, die ihr Baby weggibt. Ein Mann, David, der von der Beerdigung seiner Schwiegermutter zurückkommt und seiner Frau davon erzählt. Mit zwei kurzen Kapiteln beginnt „So oder so“, der zweite Roman der englischen Literatur-Hoffnung Jon McGregor – eine Geschichte von zwei Familien und deren Zerrüttung. David hat als junger Mann erfahren, dass er nur adoptiert ist und sucht verbissen nach seiner Mutter: der Dienstmagd. Seine Ehefrau Eleanor ist depressiv. Spannend wird der Text durch die Präzision des Autors. Wie in McGregors erstem Roman ist der Protagonist ein Sammler. Auch dieser Roman sammelt etwas. McGregor reiht über 60 Alltags-Episoden ohne chronologische Ordnung aneinander. Aber aus dem scheinbar Nebensächlichen entwickeln sich die kleinen und großen Erschütterungen. mne

Jon McGregor: So oder so. Roman. Aus dem Englischen von Anke C. Burger. Klett- Cotta, Stuttgart. 290 S., 22,50 €.

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