Kultur : Sammlung Berggruen: Mein Lebenswerk - jetzt gehört es allen

Heinz Berggruen

Picasso - Matisse - Klee -: Das sind die Schwerpunkte meiner Sammlung, die ich seit sechzig Jahren aufgebaut habe und die heute in den Besitz der Stiftung Preussischer Kulturbesitz und damit in den Besitz der Bevölkerung der Bundesrepublik übergeht. Die Sammlung ist mein Lebenswerk.

Ich empfinde diese Schenkung als eine Verneigung vor den großen Kunsthändlern jener Zeit intensiver und schöpferischer kultureller Aktivität, bevor Vernichtung und Zerstörung einbrach. Ich verneige mich vor Menschen, die Thannhauser und Flechtheim hießen. Cassirer und Nierendorf, Kahnweiler und I.B. Neumann, die sich in einmaliger Weise für die klassische Kunst der Moderne einsetzten. Ich hoffe, nicht zu anspruchsvoll zu erscheinen, wenn ich mich als Erbe dieser Menschen ansehe und in ihrem Sinne einen Beitrag leiste zu dem Wiederaufbau einer Kulturlandschaft, auf die wir alle stolz sein können.

Viereinhalb Jahre hier im Stülerbau haben mir bewiesen, in wie hohem Maße die zahllosen Besucher von aufrichtiger Dankbarkeit und aufrichtigem Glück erfüllt waren. Es war die Anerkennung, die Begeisterung der Besucher, die mich bestärkt haben, die Geste zu machen, die wir heute feiern.

Ich habe zu meinen Bildern und Skulpturen immer eine enge persönliche Beziehung gehabt, und von vielen ist zu Recht der Stülerbau als ein Privatmuseum empfunden worden. Man wird verstehen, dass ich mich - was mir nicht leicht fällt - bei dem Versuch, unsentimental zu bleiben, nicht ohne Wehmut von der Sammlung trenne. Sie ist halt mein Lebenswerk. Bei Vergil heißt es: Lacrimae sunt rerum. Alle Dinge haben ihre Tränen. Anderseits bin ich hoffnungsfreudig, weil diese Sammlung nun ein permanenter Bestandteil der Berliner Kulturlandschaft sein wird.

Picasso, Matisse, Klee - Lichtgestalten der Kunst des letzten Jahrhunderts. Manche mögen die Sammlung als ein willkommenes Weihnachtsgeschenk ansehen. Aus meiner Sicht ist es ein Geschenk an meine Heimatstadt für viele Jahre und Jahrzehnte, oder - wie die Engländer sagen - forever and a day.

Auszüge aus der Rede des Sammlers anlässlich der Übergabe an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin am 21. Dezember 2000.

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