Sammlung Haubrok im Hamburger Bahnhof : Kleider ohne Leute

Die Sammlung Haubrok im Hamburger Bahnhof.

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Viel hatte der Künstler Florian Slotawa nicht, als er sein Hab und Gut zusammenschob, diese überschaubare Assemblage aus Kisten, Möbeln, Trittleiter und einem Volkswagen, und das Ganze „Gesamtbesitz“ nannte. Erworben hat dieses Werk das Sammlerpaar Barbara und Axel Haubrok – und es wiederum zu ihrem Besitz gemacht. Der dann vor vier Jahren der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Dauerleihgabe überlassen wurde, zusammen mit zwölf weiteren Hauptwerken aus der Kollektion der in Berlin lebenden Sammler. Drei davon stellt das Museum der Gegenwart nun unter dem Titel „Everyday Life“ aus. Denn nicht nur Slotawas Arbeit dreht sich um den Alltag. Auch Paola Pivi und Bojan Šarcevic befassen sich mit Persönlichem.

Letztere hat auf großen Tischen alte Kleidung fein säuberlich drapiert. Auf den Hosen und Hemden sind kalkweiße Flecken und dunkle Schatten zu sehen. Sie wurden nicht aus der Altkleidertonne gefischt, sondern sind Lieblingskleider. Der bosnisch-französische Künstler hatte Männer und Frauen gebeten, sie bei der Arbeit zu tragen. Im musealen Raum werden die Stücke nun zu Stellvertretern von Individuen. Man kann an ihnen sehen, wie die Vorbesitzer ölverschmierte Hände in die Hüfte gestemmt oder auf dem Boden gekniet haben.

Paola Pivi hingegen beschäftigt sich mit ihrem einstigen Lebensmittelpunkt. Eine Zeit lang hat die Italienerin, wie die beiden anderen Anfang der siebziger Jahre geboren, auf Alcudi gelebt. Nun will sie die Insel eins zu eins abbilden. Drei PVC-Bahnen dieses sich noch im Entstehen befindenden Werks ergießen sich in der Halle. Nur Pixel sind zu erkennen, denn die Vorlage dieses Drucks ist ein nicht allzu großes Foto. Bläst man es wieder zur Originalgröße auf, wird die grobe Rastergrafik sichtbar. Pivi spielt hier nicht nur mit der absurden Idee, eine Insel in ein Museum zu stopfen, sondern ebenso mit Makro- und Mikroebene.

So streng konzeptionell alle drei Arbeiten erscheinen, so sinnlich ansprechend sind sie. Von der Leihgabe an die Preußenstiftung profitieren beide Seiten. Die Nationalgalerie hat herausragende Konzeptkunst und Minimal Art gewonnen. Und die Haubrok Foundation stärkt mit diesem institutionellen Aushängeschild ihre eigene Marke.

Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50–51, bis 10. August; Di, Mi, Fr 10–18, Do 10–20 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr.

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