Kultur : Samuraiträume

Gabriel Orozco im Kölner Museum Ludwig

Max Glauner

Schon ein kurzer Blick aus der Nähe genügt und die Formen und Farben schwirren, drehen sich, tanzen: Gabriel Orozcos aus digitalen Drucken bestehende Arbeit „Samurai’s Tree Invariant“, die gegenwärtig im Kölner Museum Ludwig gezeigt wird, besticht durch spielerisch ornamentale Eleganz. Alle vier Seiten des Ausstellungsaals beklebte Orozco gleichmäßig mit 672 jeweils 50 mal 50 Zentimeter großen Blättern. Jedes führt eine neue Farbvariation auf einer grafischen Grundform aus Kreisen und Quadraten vor. Nach dem Bewegungsmuster des Springers im Schach verändern sich die Positionen der Farben Weiß, Ocker, Blau und Rot von Bild zu Bild. Auf einem Bildschirm kann sich der Besucher die Einzelbilder noch einmal im Sekundentakt vorführen.

Die Kölner Ausstellung Gabriel Orozco ist Teil des blue-Orange-Kunstpreises der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, der mit 77 000 Euro als einer der höchstdotierten im zeitgenössischen Bereich in Deutschland gilt. Entsprechend hatte sich der 44-jährige Mexikaner gegen eine starke, siebenköpfige Konkurrenz durchzusetzen, darunter die Kanadierin Janet Cardiff, der Brite Douglas Gordon, die in London und Berlin lebende Libanesin Mona Hatoum oder Tobias Rehberger.

Das nun zum zweiten Mal vergebene Preisgeld ging mit Gabriel Orozco als Ausgezeichnetem abermals an einen südamerikanischen „Global Player“ des Kunstbetriebs, nachdem vor zwei Jahren der in Mexiko-City lebende Belgier Francis Alÿs gekürt worden war. In der mit dem Preisgeld verbundenen Ausstellung hatte sich Alÿs damals im Berliner Martin-Gropius-Bau mit seiner Wahlheimat auseinandergesetzt: In seinem Video bemüht sich ein Fahrer an der mexikanisch-US-amerikanischen Grenze vergeblich, einen roten VW-Käfer über einen staubigen Hügel zu bugsieren.

Wer nun bei Gabriel Orozcos Präsentation im Kölner Museum Ludwig eine ähnliche Transformation des Alltäglichen erwartete, sah sich enttäuscht. Bekannt wurde Orozco unter anderem mit einem zersägten und verschmälert wieder zusammengeschweißten Citroën, „La DS“. Auf der Documenta X hatte er den mit einem Schachbrettmuster bemalten Totenschädel „Black Kites“gezeigt, und auf der Documenta XI die indigen anmutenden Tonschalen „Cazuelas“, die das „high and low“ des Kunstbetriebs in Frage stellen sollten.

Erst auf den zweiten Blick wird man Orozcos neueste Arbeit in Köln mit früheren Arbeiten in Zusammenhang bringen können. Denn sein „Samurai’s Tree Invariant“ erinnert zunächst an Josef Albers und die Op-Art der sechziger Jahre. Das Bewegungsprinzip des Springers im Schach, das Thema Grund und Figur, die Lust am Spiel, all diese Motive aus Orozcos früheren Arbeiten finden sich in Köln zwar wieder. Doch hier kippt die einfache Dokumentation des spielerischen Prinzips ins Dekorative um. Orozcos spielerischer Minimalismus hat sich in Köln etwas verspielt.

Museum Ludwig, Köln, bis 28. Januar.

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