Kultur : Sand und Meer

Frank Noack

schwärmt für den unschlagbaren Marlon Brando Der Reiz von Antikfilmen erschöpft sich fast immer in Muskeln und Massenszenen. Dabei geht es auch anders. Joseph L. Mankiewicz, bekannt für dialoglastige Komödien wie „Alles über Eva“, präsentierte 1953 mit Julius Caesar den unkonventionellsten Sandalenfilm, der bis dahin in Hollywood produziert worden ist. Die erste Zumutung: Es wurde in Schwarzweiß gedreht. Die zweite: Als Marcus Antonius wurde Marlon Brando besetzt, von dem man wusste, dass er fantastisch in Jeans und T-Shirt aussah, und dass er nuschelte. Aber Brando nun in einer Toga, Shakespeare-Verse rezitierend? Denn das war die dritte Zumutung: Shakespeares Drama sollte nicht bloß inhaltlich, sondern sprachlich werktreu übernommen werden. Ein Wunder, dass Metro-Goldwyn-Mayer dieses Experiment zugelassen hat. Es hat sich gelohnt (Sonnabend und Mittwoch im Lichtblick-Kino).

Auch ein unterschätzter Film des Jahrhundert-Schauspielers ist Lewis Milestones Meuterei auf der Bounty (1962). Ein finanzielles Desaster sei das gewesen, wird überall geschrieben, Brandos unmöglichen Gagenforderungen geschuldet. Und die 1935er Version mit Clark Gable und Charles Laughton sei viel besser. Alles Unsinn! Das Geld, das ein Film eingespielt oder verloren hat, soll uns Jahrzehnte später nicht mehr interessieren. Es zählt nur, was auf der Leinwand zu sehen ist. Und das ist bei dieser „Meuterei“ (Sonntag und Montag im Lichtblick) grandios. Die frühere Version mit Gable und Laughton ist zwar durchaus packendes, aber auch naives Actionkino, das Remake mit Brando dagegen verzichtet auf Gut und Böse und zeichnet seine Charaktere differenzierter. Also ist Brandos Fletcher Christian kein geborener Held, sondern jemand, der eher aus Zufall das Richtige tut. Und dass er die geknechteten Matrosen gegen ihren sadistischen Kapitän Blight (Trevor Howard) aufwiegelt, geschieht eher zu seiner eigenen Überraschung. Frank Noack

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben