Kultur : Sandalenfilm-Comeback: Löwen in Warschau - Die "Quo vadis?" - Neuverfilmung

Ralph Geisenhanslüke

Im Kino wird gerade die Freude am Hauen und Stechen wieder entdeckt. Über drei Millionen Zuschauer allein in Deutschland haben schon Ridley Scotts Monumental-Prügelei "Gladiator" gesehen. Weltweit hat der Film bislang 170 Millionen Dollar eingespielt. Vor einigen Wochen wurde noch milde gelächelt, als der Regisseur und sein Hauptdarsteller, Russell Crowe, in Interviews sagten, mit "Gladiator" könne die Renaissance eines ganzen Genres beginnen: des Sandalenfilms.

Nach dreißig Jahren mal wieder ein paar Leute durch die Arena zu jagen - das schien bestenfalls eine schlaue Geschäfts-Idee. Und dass Russell Crowe angeblich auch privat die Lanze schwingt und mit seinem Cro-Magnon-Blick reihenweise Hollywood-Diven erlegt, mag ihm gegönnt sein. Doch die Vorstellung, jetzt wieder massiv auf der Leinwand zu sehen, was sonst höchstens mal für einen verregneten Sonntagnachmittag taugte - das ging einfach zu weit. Bis gestern.

Heute lesen wir fassungslos eine dpa-Meldung von den Dreharbeiten zu "Quo vadis?". Die mittlerweile fünfte Fassung des Breitwandschinkens über Kaiser Nero und die Christenverfolgung wird endlich im Ursprungsland gedreht. Henryk Sienkewiczs Roman von 1902 gehört zum polnischen Nationalkanon. Und deshalb wird die Neuverfilmung "vor Warschauer Plattenbauten" (dpa) mit 24 Millionen Mark der teuerste polnische Film aller Zeiten. Eine Anwohnerin sagte in dem Bericht, sie freue sich auf den Tag, wenn Rom endlich brennt und das Filmteam mit seinen lärmenden Löwen wieder abzieht. Sie sollte sich nicht zu früh freuen. Das Wichtigste an einem Monumentalfilm ist der monumentale Aufwand. Und der kann dauern. Beim acht Mal teureren "Gladiator" wurde etwa ein Food-Designer damit beauftragt, die damals üblichen Insekten-Snacks aus Gelatine und Puderzucker nachzubauen. Das hat vermutlich ein kleines Vermögen gekostet und ist trotzdem niemandem aufgefallen.

Der erste "Quo vadis?"-Film (Italien, 1912) kostete 45 000 Lire. Der zweite, mit Peter Ustinov als Nero, wurde 1951 ebenfalls in Italien gedreht. Die Cinecittà-Produktion verschlang sieben Millionen Dollar - nach damaligen Maßstäben nicht wirklich preiswert. Aber wenn jemand das Recht hat, das römische Reich cineastisch auszuschlachten, dann die Italiener. Doch in den Fünfzigern wurden sie von den Amerikanern stets als Billigheimer gedemütigt. Bei "Ben Hur" fürchtete die Produktionsfirma MGM nach Abschluss der Dreharbeiten sogar, die Konkurrenz aus Rom könnte Teile des Sets aufkaufen und wieder verwenden. Heute, in Zeiten der Recycling-Wirtschaft, sollte man sparen und Ressourcen schonen. Also, liebe Polen, fragt doch mal bei Mr. Scott nach, bevor ihr selbst teure Nachtigallenzungenmarmelade kochen lasst.

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