Kultur : Sanfte Rose

Auf CD: Festmusiken der Spätrenaissance

Christiane Tewinkel

Mindestens bis zum Dreikönigstag dauert die Weihnachtszeit; wer jetzt keine schöne Weihnachtsmusik hat, findet so schnell keine mehr. Das Herz soll sie wärmen und den Geist leise reizen, vor allem aber als klingender Paravent die Zwischenjahresmuße schützend umstehen: Thomas Mann hat in ähnlichem Zusammenhang von „Verneinung des abendländischen Aktivitätskommandos“ gesprochen. Besonders gut lässt sich in diesen Tagen mit dem Album „In dulci jubilo. Eine sächsische Weihnacht der Spätrenaissance“ (Codaex) verneinen. Der Titel tönt ebenso unaufdringlich wie die Aufnahme selbst, mit ihrem heruntergedimmten Sound, dem feinen Einklang zwischen Menschen- und Instrumentenstimmen, dem nie auftrumpfenden Blech und der interpretatorischen Sanftmut, die alle der fast 40 Nummern durchzieht.

Constanze Backes (Sopran), Dorothea Zimmermann (mit hellem, hohen Alt), Michael Schaffrath (Tenor) und Johannes G. Schmidt (Bass) haben gemeinsam mit dem Ensemble Instrumenta Musica unter Ercole Nisini Stücke sächsischer Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts eingespielt. Wie aus ferner Zeit und dennoch altvertraut tönt Michael Praetorius’ „Magnificat“, klingen auch die schmiegsamen, oft imitativ durchgeführten Sätze, die Johann Walter, Heinrich Grimm oder Johann Hermann Schein über „Nun komm, der Heiden Heiland“ angefertigt haben, über „Vom Himmel hoch“ oder, besonders schön, „Es ist ein Ros’ entsprungen“. Mitunter wird derselbe Choral mehrfach dargeboten, a cappella, nur gespielt, im Zwiegespräch zwischen Solostimme und Streichinstrument, einmal sogar in einer improvisierten Variation für Trombone und Orgel. Dazwischen tritt eine gutmütig schnarrende Kleinorgel: das Regal. So klangschön und milde abschattiert hat man Regionalpatriotismus lange nicht erlebt. Christiane Tewinkel

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