Kultur : Sanfter Griot

ROMAN ROHDE

Habib Koité mit seiner Band Bamada im PfefferbergVON ROMAN ROHDEMali ist eine Heimat der Griots, jener traditionellen Musikerkaste, deren Angehörige zwischen den Apfelbrotbäumen der Steppe und dem Bahnhof von Bamako durchs Land ziehen, um Geschichte und Geschichten zu überliefern.Aus Mali kommen sowohl die wundervoll hohe Stimme des Prinzen Salif Keita als auch der erdige "Wassoulou-Sound" der Griotte Oumou Sangare.Oder Mory Kanté, der in den 80er Jahren mit "Yé Ké Yé Ké" Afrikas größten Hit in Europa landete und durch Kora-Funk und Acid-House in Paris die Ära der Elektro-Griots einläutete. Habib Koité ist ein neuer Komet an diesem Gestirn über Westafrika.Seit drei Jahren tourt er mit seiner Band unablässig durch Europa, Kanada und die USA, war auf dem renommierten Jazz-Festival von Montreux zu Gast und hat bisher zwei Platten veröffentlicht, die sofort auf den ersten Plätzen der Weltmusik-Charts rangierten.Seine Musik allerdings verzichtet auf weitreichende Technologisierung.Statt eines Keyboards steht ein Balafon auf der Bühne, also das urtümliche Xylophon Afrikas mit Kürbisresonatoren. Der Perkussionist schlägt auf drei verschiedene Talking drums, läßt Shekeres rasseln und kleine, helle Zithern erklingen.Die beiden akustischen Gitarren ersetzen das Klirren der sonst üblichen elektrischen Instrumente durch ein süß oder herb perlendes Spiel.Sogar Schlagzeuger und Bassist, die den rollenden Modern-Groove liefern, begeben sich öfters zu einer Trommel und einem Baßgerät aus Kürbisschalen.Solide Handarbeit ist das, wo präzise Fingerkuppen auf den Saiten jede elektronische Tüftelei überflüssig machen.Dazu schickt Habib Koité seine Stimme in den Saal, den sanften Klang eines bodenständigen Griot, und läßt den Gesang durch die heftigen, farbenfrohen Töne auf der Talking drum beantworten.Hier entfaltet die westafrikanische Vokalmusik ihren Reiz, weil sie durch die Konsonanten des globalen Pop-Idioms nicht ins Stottern gerät.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben