Sanierungsfall Lindenoper : Der Admiral

Gérard Mortier wird es wohl nicht. Seit seiner kurzfristigen Absage an die finanzkrisengeplagte New Yorker City Opera wird der Pariser Opern-Intendant erneut als ein möglicher Nachfolger für Peter Mussbach an der Staatsoper genannt. "Berlin würde mich sehr interessieren, doch leider interessiert sich Berlin nicht für mich“, sagte Mortier nun.

Der versierte Opern-Manager, der an diesem Dienstag seinen 65. Geburtstag feiert, äußerte sich noch vor zwei Wochen nicht gerade so, als sei Berlin seine künftige Wunsch-Wirkungsstätte. Auf Nachfrage der "B.Z." hatte er in Anspielung auf den Lindenopern-Musikchef Daniel Barenboim gesagt: "Zwei Tiger auf einem Berg, das geht nicht." Mortier, der bis zum Sommer 2009 die Pariser Häuser Garnier und Paris leitet, soll noch im Rennen um die Direktion des Teatro Real in Madrid ab 2010 sein. Dem Vernehmen nach gehört er nicht in den von der Berliner Politik favorisierten Kandidaten kreis für die Staatsopern-Intendanz.

Der Admiralspalast wird es wohl auch nicht. Zwar wirbt sein Betreiber Falk Walter erneut für das Haus an der Friedrichstraße als Alternative zum Staatsopern Ausweichquartier Schillertheater und hat der Kulturverwaltung ein zweites Angebot unterbreitet. Aber beide winken ab, die Politik wie die Lindenoper, die ab 2010 saniert wird. "Wir haben eine gültige Beschlusslage. Alle Planungen laufen auf das Schillertheater hinaus", sagte Kultur-Sprecher Torsten Wöhlert dem Tagesspiegel. Aus der Staatsoper heißt es, man sei "offen für jeden kostengünstigen Plan", aber bei dem neuen Vorschlag fehlten fundierte Pläne und ein Finanzierungskonzept. Auch Wöhlert sagt, Walter habe sein Angebot nicht zu einer "nachvollziehbaren und prüfbaren" Vorlage ausgearbeitet.

Der Admiralspalast-Chef möchte seinen Vorschlag als Variante verstanden wissen, die "künstlerisch, wirtschaftlich und kulturpolitisch" die bessere Lösung wäre. Wegen des größeren Zuschauersaals (1700 statt 1100) und der niedrigeren Umbaukosten: 12 statt 20 oder sogar 23 Millionen Euro. Von dem eingesparten Geld, so Walter, ließe sich auch das Schillertheater als Gastspielhaus sanieren; und seine Baukostenschätzung sei durchaus detailliert. Mitarbeiter der Staatsoper seien - wegen der Nähe des Schillertheaters zur Deutschen Oper und der schlechten Akustik an der Bismarckstraße - auf ihn zugekommen. Nach Auskunft der Staatsoper konnten die Akustik-Bedenken beim Schillertheater inzwischen jedoch ausgeräumt werden. Und die Senatskulturverwaltung betont, dass das Theater als berlineigenes Haus nach der Staatsopern-Interimszeit weiter für Gastspiele und als Ersatzspielstätte genutzt werden könne, etwa bei der Sanierung der Komischen Oper. Der Umbau soll im Januar beginnen. chp (mit dpa)

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