Sara Asperger Gallery : Göttin der Feuerwehrmänner

Die Sara Asperger Gallery gratuliert dem Künstler Wolfgang Petrick mit einer großen Ausstellung zum 70.

Jens PepperD

Viel mehr Kunst hätte Wolfgang Petrick nicht in der Sara Asperger Gallery zeigen können. Aus räumlichen Gründen. Vom Boden über die Wände bis unter die Decke hat er Bilder und Zeichnungen, Fotografien, eine Skulptur (800–45 000 €) sowie unzählige Materialien geschichtet und den Raum zu seinem persönlichen Welttheater gemacht. Es sind apokalyptisch anmutende Visionen einer im Umbruch oder im Zerfall begriffenen Gesellschaft. Schnappschüsse aus New York, am Computer bearbeitet und ausgedruckt, dienten als Grundlage für klassisch gezeichnete räumliche Strukturen, Graffitielemente und Figuren, die die ursprünglichen Motive überlagern und verdichten. Während fast ausschließlich junge Frauen in einer oft anamorphotisch verzerrten Darstellung mal als Opfer einer lebensfeindlichen Welt oder als archaische Göttinnen erscheinen, kommen Männer in dieser düsteren Bilderwelt kaum vor. Und wenn, dann nur als vermummte Feuerwehrmänner ohne jede Aura von Heldentum, als lächerlich exhibitionistischer Batman mit Riesenpenis oder als pubertierendes Wesen: halb Junge, halb Geschöpf einer undefinierbaren Unterwelt.

Vor einigen Jahren hatte Petrick eine Skulptur geschaffen, die in abstrakter Form die Massenvergewaltigungen im Bosnienkrieg zum Thema hatte. In dieser Ausstellung gibt es diese reine Opferrollen nicht mehr. Es gibt allerdings auch keine Erlösung. Petrick ist ein außergewöhnlicher Zeichner, Maler, Bildhauer und Grafiker, der seine Vorstellungen und Auseinandersetzung mit Gegenwart bildgewaltig zu inszenieren versteht. Dabei ist er stilistisch bis heute völlig unabhängig von Moden geblieben, was ihn zu einem der spannendsten Künstler seiner Generation in Deutschland macht. Dass Wolfgang Petrick am 12. Januar seinen 70. Geburtstag feiert, würde man ob dieser vor Vitalität strotzenden Arbeiten sicherlich nicht vermuten. Jens Pepper

Sara Asperger Gallery, Sophienstr. 18: bis 31.1., Di bis Sa 11-19 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben