Kultur : „Sasha Waltz muss in Berlin bleiben“ Peter Raue appelliert

an Klaus Wowereit.

Die Berliner Tanzszene ist in Aufruhr. Das Staatsballett bekommt mit Nacho Duato einen neuen, konservativ ausgerichteten Intendanten, die Choreografin Sasha Waltz kämpft um eine Zukunft in dieser Stadt (Tagesspiegel vom 9. Februar). Es fehlt am Geld, aber auch an flexiblen Strukturen. Hier schreibt Peter Raue, Kunstförderer und Rechtsanwalt, einen offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit. Tsp

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister! Seit zwölf Jahren regieren Sie diese Stadt. Vor sechs Jahren haben Sie auch noch Last und Lust des Kultursenators auf sich genommen. Das konnten Sie, weil Sie in André Schmitz einen fabelhaften „Fastkultursenator“ zur Seite haben. Aber die Tatsache, dass das Kulturressort bei Ihnen liegt, hat der Kultur selten geschadet und oft genutzt. Der Etat für die Kultur ist trotz vielfacher Sparzwänge nicht gesunken, sondern gestiegen, kein Theater wurde geschlossen, kein Opernhaus ist wirklich gefährdet. Manches ist schlecht gelaufen. Dass das Postfuhramt für die Fotogalerie „C/O Berlin“ nicht gerettet werden konnte, dass die Staatoper Unter den Linden wohl kaum früher ins Stammhaus einziehen kann, als der neue Flughafen eröffnet wird, dass landeseigene Grundstücke immer noch dem Meistbietenden statt kultur- und stadtpolitisch sinnvoll verkauft werden: Das sind Brachfelder in der Kulturlandschaft.

Zu einem der Hauptmagneten für das Kulturleben in Berlin gehört seit langem der Tanz, insbesondere der moderne. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass der am besten funktionierende Teil der Opernstiftung, die Zusammenlegung der Ballette der drei Opernhäuser, eine Erfolgsstory ist. Dass dieser Erfolg auch dem scheidenden Intendanten Vladimir Malakhov zu verdanken ist, werden Sie nicht verkennen.

Nun aber erfüllt viele Menschen in Berlin die ungewisse Zukunft der Tanzstadt Berlin mit brennender Sorge: Sasha Waltz ist seit vielen Jahren für Berlin wie Pina Bausch einst für Wuppertal, John Neumeier zunächst für Stuttgart und dann für Hamburg. Ihre weltweit gefragten und umjubelten Produktionen haben ihren Ausgang in dieser Stadt genommen und sind fast alle hier gezeigt worden. Sasha Waltz nicht in Berlin zu halten, wäre eine Katastrophe. Sie hat mehr Geld gefordert. Sasha Waltz braucht aber in erster Linie endlich einen Platz in Berlin, der für sie und ihre Gruppe Heimat wird.

Der Kultursenator hatte bis heute keine Zeit für ein Gespräch mit ihr und vielleicht auch kein Herz für das, was sie macht. Es kommt aber nicht darauf an, ob Sie ein Fan des Tanzes, ein Aficionado der Choreografin sind. Der Kultursenator muss nur erkennen (und der Regierende Bürgermeister sollte danach handeln), welch eminente kulturelle Bedeutung die Truppe von Sasha Waltz für Berlin hat. Die Reduzierung der Berliner Tanzszene auf das klassische Ballett, wie es nun offenbar geschehen soll, würde zerstören, was nur in vielen Jahren wieder aufgebaut werden kann. Überlegungen zu einer Doppelspitze im Ballettbereich – Klassisches Ballett/Moderner Tanz –, einer Integration der Compagnie von Sasha Waltz ins Staatsballett scheinen mir ebenso geboten, wie es eine Verpflichtung gibt, für die Zukunft dieser Künstlerin in Berlin einen Weg zu bauen, statt ihr den Laufpass zu geben.

Haben Sie den Mut, das Abgeordnetenhaus um Unterstützung auf der Suche nach einer Lösung zu bitten! Der Regierende muss die Aufführungen nicht besuchen, muss Sasha Waltz’ Arbeit nicht lieben; das tun Tausende von Besuchern. Der Regierende Kultursenator muss nur alles tun, diese Truppe in Berlin zu halten.

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