"Satellite" von Lena : Am laufenden Band

Den Eurovision Song Contest gewannen auch zwei unbekannte Sieger. Lenas Hit „Satellite“ stammt von einer Amerikanerin und einem Dänen

Laura Backes

„Ralph Siegel ist noch immer der einzige deutsche Komponist, der den ESC je gewonnen hat“, sagt Ralph Siegel. Und er hat recht: Technisch gesehen heißen die Sieger des Wettbewerbs von Oslo Julie Frost und John Gordon. Sie stammen aus den USA beziehungsweise Dänemark, und sie haben den Ohrwurm „Satellite“ geschrieben. Während Lenas Auftritt waren ihre Namen unter der Startnummer und dem Songtitel eingeblendet – die Schrift gerade so groß, dass sie noch zu entziffern war.

Wer ist Julie Frost, wer John Gordon? Und wie kam es dazu, dass gerade die beiden mit ihrem Stück „Satellite“ die Gewinnertrophäe nach 28 Jahren zurück nach Deutschland bringen? Bei Myspace, einem Netzwerk, erdacht zur Selbstdarstellung von Künstlern, findet man beide Namen. Und der Erfolg einiger weniger internationaler Stars wie Lily Allen geht tatsächlich auf Formate dieser Art zurück. Auf den Profilen von Frost und Gordon finden sich Glückwünsche von anderen Benutzern – allerdings nicht mehr als acht insgesamt.

Die beiden Musiker stehen ab und zu mit ihrer Musik selbst auf der Bühne, leben aber vor allem von ihrer Kreativität als Songschreiber und Produzenten. So hat John Gordon aus dem dänischen Aarhus vor vier Jahren „Fly“ für Michelle Hunziker komponiert. „Funky Freakshow“ schrieb er für Diana Amft. Der Titel stammt vom Soundtrack zur deutschen Jugendkomödie „Mädchen Mädchen 2 – Loft oder Liebe“ aus dem Jahr 2004. Darin war Diana Amft eine der drei Protagonistinnen. Momentan spielt sie in der RTL-Serie „Doctor’s Diary“ mit.

Die US-Amerikanerin Julie Frost veröffentlichte unter anderem das Album „Happy Child Songs“, eine Sammlung von Kinderliedern. Außerdem arbeitet sie für das amerikanische Unternehmen „Redzone Entertainment“, eine Agentur in Atlanta, die seit 1995 für diverse Künstler Lieder komponiert und produziert. Hits am laufenden Band also. Nach eigenen Angaben zeichnet die Agentur mitverantwortlich für über 25 Millionen verkaufter Platten. Zu den prominentesten Künstlern, die von „Redzone Entertainment“ profitiert haben, gehören Pink, Britney Spears, Mary J. Blige, Ciara, Rihanna und der Teeniestar Justin Bieber.

Nachdem sich das Unternehmen anfänglich mit R ’n’ B- und Rap-Songs beschäftigte, gelang es 2003, eine Kooperation mit Britney Spears an Land zu ziehen und deren Duett „Me Against the Music“ mit Madonna zu produzieren. Auch an Rihannas Superhit„Umbrella“, der neben diversen Preisen auch einen Grammy bekam, haben zwei Komponisten von „Redzone Entertainment“ mitgearbeitet.

Im Vorfeld von „Unser Star für Oslo“ gingen fast 300 Titel bei der Plattenfirma Universal Music Deutschland ein, die die Liederbeschaffung der Show organisierte. Daraus wählten Stefan Raab und sein Team die Songs für das Finale der Sendung aus: „Satellit“, „Bee“, „I Care for You“ sowie das von Raab selber geschriebene „Love Me“.

Während dem Dänen John Gordon der Eurovision Song Contest schon vor der Show am Samstag ein Begriff gewesen sein müsste, gab Julie Frost in der Sondersendung der ARD am Sonntagnachmittag zu, noch nie etwas von diesem europäischen Gesangswettbewerb gehört zu haben. „Satellite“ ist nicht eigens für Lena oder für den „Star für Oslo“ geschrieben worden, sondern entstand vor drei Jahren während eines Treffens von Gordon und Frost. Wie ist es also, unbeabsichtigt den vielleicht größten europäischen Hit 2010 geschrieben zu haben? „Wie waren unserer Zeit einfach voraus, und jetzt endlich hat der Rest der Welt aufgeholt“, scherzt Frost am Abend nach Lenas Sieg in Oslo. Laura Backes

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