Kultur : Satire-Meister Chlodwig Poth ist tot Nachruf auf einen Freund

F.W. Bernstein

Chlodwig Poth ist gestorben. Er war einer vom Jahrgang 1930. Das ist die Generation von Helmut Kohl. Und von James Dean. Der dritte: Chlodwig Poth. In Wuppertal geboren; in Berlin aufgewachsen; in Frankfurt zu Ruhm und jetzt nach schwerer Krankheit 74-jährig zu Tode gekommen. Zur großen 60. Geburtstags-Ausstellung erscheint 1990 ein Katalog mit dem Titel: „30–60–90“. Ein paar Jahre später hat er als erster den „Göttinger Elch“ bekommen, einen Satire-Preis. Und vor einem Jahr gab’s in Frankfurt den Binding-Kulturpreis für die „Neue Frankfurter Schule“, als deren Godfather er galt. Unvergesslich: Bei der Preisverleihung im Kaisersaal des Römer hat Chlodwig es durchgesetzt, dass wir Frankfurter Schulmeister auf den Balkon raustreten durften, wie sonst nur Fußballweltmeister.

In Berlin studierte er. In seiner Autobiografie „Aus dem Leben eines Taugewas“ erzählt er von den Nachkriegsjahren, seinen ersten Satireveröffentlichungen. Später hat er in allen maßgebenden Medien der Kritik und Komik mitgearbeitet bei „Pardon“, „Twen“ und „Titanic“. Auch in Berlin waren Ausstellungen immer Heimspiele für ihn. Um die Trauer über den Tod des Freundes zu übertönen, müsste ich seine Bücher, Bildergeschichten, Kataloge, Sammelbände aufzählen. Vor vier Jahren hat Oliver M. Schmitt ein „Lebensbilderbuch mit Text“ über Chlodwig Poth herausgegeben: „Euch werd ich’s zeigen“, und derselbe Autor hat 2001 in Einzelbiografien jene „Neue Frankfurter Schule“ gefeiert. Chlodwig tritt als Erster auf, er ist „Der Satiriker“.

Er selbst sagte: „Ich bin fest davon überzeugt: daß ich Karikaturist werden würde, ist mir an der Wiege gesungen worden. Lassen wir einmal dahingestellt von wem...“ Als Karikaturist schriebt er Zeitgeschichte. Von seinem Bestseller „Mein progressiver Alltag“ in den Sechzigerjahren bis zu seinem letzten Großprojekt „Last Exit Sossenheim“, einer wunderbaren Bestandsaufnahme seines Wohnorts. Trotz schwerer Beeinträchtigung – seine Augen! – produzierte er regelmäßig für die „Titanic“. „Herr Gott und Satan in Sossenheim“; da sagt Herr Teufel: „Wirf mir doch nicht dauernd diese abscheuliche Architektur vor! Als ich den Big Bang auslöste, konnte ich doch nicht ahnen, daß sowas dabei herauskommen würde...“ Bei Chlodwig kommt eine wunderfeine Federzeichnung dabei raus.

Jetzt bleibt nur der Ruf nach einer Gesamtausgabe. Chlodwig Poths Werke – die meisten sind vergriffen – sollen wieder verfügbar sein! Besonders sein heiterer Liebesroman „Die Vereinigung von Körper und Geist mit Richards Hilfe“.

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