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Adel berichtet. Folge  49 : Blut geleckt

02.02.2013 16:57 UhrVon Stefan Stuckmann

Stefan Stuckmann zeichnet auf, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt. Heute: Warum George Clooney die Rolle als Klaus Wowereit wohl ablehnen müsste.

Ich weiß nicht, was meinen Jungdackel Taxi dazu motiviert hat, sich als Blutspender registrieren zu lassen – ob es unser großer Twilight-Videoabend war oder doch nur das Wort „Leckerli-Beutel“ im Bericht über die Kleintierklinik an der Freien Universität. Aber stolz bin ich so oder so. Und dass ich so laut geschrien habe, als die Krankenschwester diese riesige Spritze an seinem Oberschenkel angesetzt hat, war auch nur Zufall, weil mir nämlich genau in dem Moment eingefallen ist, dass ich die Ebay-Auktion für den Flirtratgeber vergessen habe, den ich ganz dringend für meine Rainer-Brüderle-Reportage brauche.

Zugegeben, es war ein bisschen schwierig, Taxi über die 20 Kilo Mindestgewicht zu kriegen, die Voraussetzung für einen blutspendewilligen Hund sind, aber mit drei Eimern Bubble-Tee und einem Bleihalsband haben wir es dann doch knapp geschafft.

Jetzt sitzt er neben mir und blättert lässig in der „Gala“, während ich den Plastikbeutel mit dem Blut kontrolliere. Zwei Liter haben wir schon. Nervös schau ich zu Taxi. Was geht denn überhaupt rein in so einen Dackel?

„Wie viele Finger siehst du?“, frage ich, aber Taxi schiebt nur meine Hand zur Seite und vertieft sich wieder in den Artikel über Prinzessin Máxima. Eine Stunde später ist er doch etwas blass um die Schnauze. Der Schwindelanfall, der ihn vor der Krankenschwester übermannt, ist aber trotzdem nur vorgetäuscht: Während das Pflegepersonal aufgeregt Espresso in Taxis Mund träufelt, packe ich einen Raum weiter noch drei weitere Leckerli-Beutel in seinen Rucksack.

Abends schmuggeln wir uns dann noch als Zimmermädchen verkleidet in den fünften Stock vom Soho House, wo wir George Clooney mit einer ausgefeilten Revue-Nummer dazu überreden wollen, Taxi einen Part in seinem neuen Film zu geben, den er gerade in Babelsberg dreht. „Schnell, reich mir den Feuerreifen!“, flüstere ich, als wir Clooney an der Zimmertür hören.

So, und auf den Überwachungsvideos, die mir die Polizei gerade vorgespielt hat, sieht es so aus, als sei ich genau in dem Moment ohnmächtig geworden, als Clooney vor mir stand. Ich kann mir das nur so erklären, dass ich in seelenverwandter Blutarmut die Folgen von Taxis Klinikbesuch abbekommen habe. Taxi war derweil so geistesgegenwärtig, Clooney das fertige Drehbuch für unseren BER-Film zuzustecken. Für die Rolle des Wowereit ist Clooney natürlich zu attraktiv und dynamisch. Als Frank Henkel dagegen ...

Hochachtungsvoll,

Ihr

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