Adel berichtet Folge  58 : Nougat in the Air

Stefan Stuckmann zeichnet auf, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt. Heute: Ostereiersuche mit dem Hund Taxi und einem Finale voller Bieber

Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Mein Jungdackel Taxi ist eher der ehrgeizige Typ: Wenn junge Frauen ihn mit einem profanen „Hol das Stöckchen“ beschäftigen wollen, dann kommt er meistens mit einer Auswahl drei verschiedener Holz-Accessoires zurück. Und wenn er beim Monopoly die Miete für meine Luxusappartements nicht zahlen kann, dann ruft er entweder über Twitter David Hasselhoff um Hilfe oder beißt einfach die Schlossallee aus dem Spielbrett.

Für Taxis erste Eiersuche am vergangenen Sonntag habe ich deshalb nicht nur eine möblierte Ferienwohnung mit 16 Zimmern gemietet, sondern auch noch die spanische Perkussionsgruppe Las Castañas und eine Nebelmaschine dazugebucht, um zusätzliche Irritationsmomente zu schaffen. Die 200 Eier habe ich außerdem am Vorabend mit Autolackspray imprägniert, um Taxis auf Schokolade geeichte Präzisionsnase in die Irre zu führen. Zwecklos: Die Las Castañas sind kaum im zweiten Refrain, als Taxi wieder vor mir steht und mir einen Hauch von Nougat entgegenrülpst.

„Na gut, aber fehlt da nicht noch was?“, frage ich und nicke zum Fenster, wo gerade ein goldener Briefumschlag an drei Heliumballons hängend aufsteigt. Es ist kurz vor 19 Uhr, als Taxi mir mit den zwei Justin-Bieber-Tickets im Maul aus dem Regionalzug entgegenspringt. Auf unsere kleine Konzertnachlese müssen Sie aber leider noch etwas warten, aber so viel schon mal vorweg: Kann ja sein, dass der Junge stagniert – aber auf verdammt hohem Niveau!

Als wir am nächsten Morgen in der Redaktion erscheinen, sind wir noch so energiegeladen, dass wir uns gleich an ein ganz heißes Eisen herantrauen: die angeblich weit überschrittenen Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) unter anderem vor dem Bahnhof Zoo. Um die Konzentration des giftigen Gases, das in einem bedrohlichen Rotbraun auftritt, wissenschaftlich zu überprüfen, kaufen Taxi und ich uns zwei weiße Jogginganzüge und Segelschuhe, mit denen wir uns 24 Stunden lang am Bahnhof Zoo aufhalten. Vorläufiges Endergebnis: Taxis Anzug weist rundherum deutlich sichtbare, streifenförmige Immissionsspuren auf, an mehrere Stellen hat sich das Gas sogar aggressiv in die Faser gefressen. Mein Anzug dagegen ist praktisch neuwertig, ein einziger, ovaler Fleck ließ sich im Labor als Dönersauce identifizieren. Grundsätzlich können wir also eine Gefährdungssituation bestätigen, aber – Sie haben mein Wort: Wenn Sie größer als 20 Zentimeter sind, besteht nicht der geringste Anlass zur Sorge.

Hochachtungsvoll,

Ihr

Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

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