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Irrer Literatur-Wahnsinn! : Kinderbuchfans fordern Rückumbenennung Deutschlands in „Deutsches Reich“

23.01.2013 11:45 Uhr
Vorwärts, vorwärts. Schon 1938 drängte es Fans der deutschen Sprache in den öffentlichen Diskursraum. Foto: dpaBild vergrößern
Vorwärts, vorwärts. Schon 1938 drängte es Fans der deutschen Sprache in den öffentlichen Diskursraum. - Foto: dpa

Den Kinderbuchfans reicht es. Gutmenschen nehmen ihnen schöne Worte wie "Neger", "Kanake" oder "scheiß Ausländer" weg. Damit soll nun Schluss sein. Sie fordern: Die Sprache hätte man schon viel früher einfrieren müssen!

Die „Neusprechverweigerer für die Starrheit der Übersetzung“ (NSÜ) haben sich für eine Rückbenennung der „Bundesrepublik Deutschland“ in „Deutsches Reich“ ausgesprochen. Damit reagierte der Verein auf einige Argumente in der sogenannten „Kinderbuch“-Debatte, wonach ein „Negerkönig“ keinesfalls obligatorisch für das Pippi-Langstrumpf-Lesevergnügen sei, man sage ja schließlich bei Gesprächen über Bundespolitik auch nicht mehr „Reichskanzler“. „Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht“, sagte der NSÜ-Vorsitzende Alfons Hilter am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Berlin. „Eigentlich hätten wir die Sprache schon viel früher einfrieren müssen.

“ 

Wann genau das hätte geschehen sollen – darüber herrscht indes auch in den Reihen der NSÜ Uneinigkeit, wie sich nun bei dessen jährlichem „Niemals akzeptieren Zeitzurückdreher Immigrantenwörter“-Kongress (kurz: NaZI) herausstellte. Die in fließendem Hochlatein vorgetragene Position einiger Vereinsmitglieder, wonach bereits das Entstehen eines deutschen Sprachraums der Anfang von dessen Ende gewesen sei ("German est German mortuus" etcetera…), konnte bei der Untersektion „Brüder des Mittelhochdeutschen“ (BdM) nur wenige Fans gewinnen.

Die ihrerseits sprengten mit „Lautverschiebung ist Loutversiebung“-Sprechchören das mittägliche Frikativ-Buffet. Anlass war ein Vorstoß des „Blocks antisemitischer Feingeister“ (BasF), wonach der „großdeutsche Wortraum“ auch das sprachliche Gesamtwerk Martin Luthers umfassen solle. „Es gibt da einige Gedanken und Formulierungen bezüglich Feuer an Synagogen und Arbeit ‚im Schweis der Nasen’, auf die ich ungern verzichten möchte“, so der Sprecher des Blocks, Udo Lalangue-Polanski.

Unklar bleibt damit, ob Sprachänderungen in Kinderbüchern in Zukunft überhaupt vonnöten sind. „Ganz ehrlich: Was da jetzt in den anarchistischen Quatschbüchern dieser schwedischen Gutmenschentante drinsteht, interessiert mich eigentlich nicht die Bohne“, sagte Alfons Hilter bei einem abendlichen Met-und-Mett-Meeting.

„Wir lesen zuhause eh nur die Biene Maja.“ Die Debatte zu führen sei jedoch wichtig: „Sonst denken die anderen Völker dieser Welt hinterher noch, wir hätten aufgehört, alle zu hassen, von denen wir uns beim Wir-Sein gestört fühlen.“ Dies sei jedoch nicht der Fall. Nur unterschwellige Aggression gegen all jene, die diese Haltung rassistisch nennen, könne helfen, einen nationalen Charakter zu transportieren. (bom)

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