Kultur : Sauger sehen

Dies ist ein Film über die Verdauung."Octalus.Der Tod aus der Tiefe" beschreibt den Weg des Energieträgers von der Nahrungsaufnahme bis zur Ausscheidung am Beispiel der Weichtiere.Nehmen wir nur mal den Tintenfisch.Regisseur Stephen Sommers hat ihn ein bißchen größer gemacht, damit man das besser sehen kann.Er hat dabei nicht bedacht, daß eine solche Vervielfachung des Körpergewichts oft eine Veränderung der Eßgewohnheiten mit sich bringt.Kurz, der Tintenfisch frißt ein dekadent-luxuriöses Kreuzfahrtschiff, also vor allem die Kreuzfahrer.Sommers will uns dabei nur zeigen, wie es funktioniert: ansaugen, einsaugen, aussaugen, ausstoßen.

Man kann sich das recht gut merken, was den Vorteil hat, den Film dann nicht mehr ganz sehen zu müssen.Verdauung ist auf die Dauer nämlich ziemlich langweilig.Verdauungsprodukt aber ist die Hardware der Kreuzfahrer, liederliche Knochenhaufen, wie Flaschen rollende Schädel (man muß sich mal vorstellen, wieviele Menschen auf einem solchen Luxusliner waren) - ein Anblick, bei dem Sommers und sein B-Picture-Publikum heimliche Freude empfinden.Welcher Biologe teilte nicht diese Leidenschaft für sonderbare Exkremente? Sommers macht wirklich alles, damit wir nicht einfach vorzeitig abtauchen wie früher im Biologieunterricht.Er schickt ein Kampfboot mit Sprengköpfen zu dem Dampfer.Die Besatzung braucht eigentlich nur ein paar Schrauben vom Motor des Schiffes, um den eigenen wieder zu reparieren.An dieser Stelle räumt Sommers als aufrechter Wissenschaftler mit dem weitverbreiteten Vorurteil auf, daß Weichtiere nichts im Kopf haben.Bei Sommer liegt der Intelligenzquotient der Kampfbootbesatzung eindeutig unter dem des Tintenfischs: Damit entschuldigt der Film sich bei den Meerestieren für die menschliche Überheblichkeit - ein nobles Verhalten, das B-Picture-Fans ungemein Spaß macht. K.D.

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