Kultur : SAUL BELLOW: „ICH BENEIDE MEINE KATZE“

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„Zunächst einmal siehst du etwas, was du noch nie zuvor gesehen hast: Du hast die Augen aufgemacht, und da war eine Welt, sehr sonderbar. Du hast sie auf deine Weise gesehen. Nicht wie andere. Und bleibst deiner Weltsicht treu, dem, was du siehst und denkst, du ganz persönlich; das ist der Ursprung meines Schriftstellertums.“

Übers Lachen:

„Wenn die Lage nicht schlimmer sein konnte, bekam mein Vater einen richtigen Lachanfall. Er hatte kein Geld, die Miete zu bezahlen, er hatte kein Geld, den Lebensmittelhändler zu bezahlen; meine Mutter musste die Straßenseite wechseln, damit sie nicht an dem Laden vorbeikam; die Kinder waren krank, mein Bruder hatte Scharlach, die Kammerjäger waren da, wir waren mit der Miete im Rückstand, alles. Dann fand mein Vater plötzlich etwas urkomisch, und alle haben genauso reagiert. – Das ist mich für ein genuin jüdischer Moment.“

Übers Sterben:

„Die einzige Lösung ist wohl, glücklich zu sterben. Oder in einem Moment des Glücks. (...) Ich weiß nicht, warum man es so schwer nehmen soll, wenn es doch etwas Universelles ist. (...) Manchmal denke ich, das größte Geschenk Gottes an die Tiere ist, dass sie sich den Tod nicht vorstellen können. Sie denken nicht daran, sie setzen sich nicht damit auseinander – oder höchstens instinktiv, wenn sie vor einer Gefahr fliehen. Ich beneide meine Katze, wenn ich sehe, wie sie sich im Fernster ausstreckt, um die Sonnen zu genießen.“

Über Gott:

„Ich sage nur: Es ist Zeit aufzuhören, so zu tun, als glaubte ich nicht daran.Irgendwie glaube ich daran. Ich nutze mein Wissen von 84 oder 85 Jahren, wende es auf diese Fragen an und sage mir: Es geht nicht an, dass es nur das Ergebnis von Millionen von Zufällen sein soll. Unmöglich.“

Die Zitate stammen aus dem schönen, langen Gespräch von Norman Manea mit Saul Bellow, nachzulesen in der aktuellen Ausgabe von „Lettre International“. Infos: www.lettre.de

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