Kultur : Schabefleisch

H.P. Daniels

ROCK

Alle sind im richtigen Konzert. Bryan Adams ist nächste Woche. Heute ist Ryan Adams. RYAN! Ach so! Spätestens seit „Gold“, dem zweiten Soloalbum, gilt der ehemalige Frontmann von Whiskeytown als „the next big thing“. Mit eigenem Ausdruck im Geiste der Urväter Dylan, Stones, Gram Parsons, Neil Young, etc. In der Passionskirche darf er nicht so laut, und das ist gut. Ryan kommt akustisch und mit merkwürdiger Frisur, zwischen Kochtopf und Pilzkopf. Graues Knülljackett, Bluejeans, abgeschabte Stiefel. Sitzt vorm Altar, zerknittert, zusammengesunken über der Akustikgitarre. Versunken in den ersten Song: „Oh my sweet Carolina“, knirscht er, ganz leise zu dezentem Daumen-Zeigefingerpicking. Zwei junge Damen an Piano und Cello. Ryan am Flügel, krumm wie ein Flitzebogen, raucht, haucht, wimmert, flimmert: „Sweet Lil Gal“, zauberhaft knurrige Ballade zu schwerfingrigen Pianoakkorden. Neue Zigarette und ans Mikro links vorne. Ryan riskiert die dicke Unterlippe: bluesig. „You can’t hide“, aber er muss sich nicht verstecken, wird immer stärker. Die Stimme springt in den Kopf. Und er zurück auf den Stuhl. „Brown Sugar“ am Piano: ganz langsam zu schweren Akkorden. Eine Nummer, erst gestern geschrieben, am Geburtstag in Berlin, er ist 28 geworden. Ryan ist wirklich „the next big thing“. Nein, besser!

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