Kultur : Schafgarbenorakel

Elisabeth Binder

Es ist für ein Buch gar nicht so leicht, seinen Leser mitzunehmen bis zum hoffnungsfrohen Ende. Besonders, wenn es mit Schweißgeruch und Zottelhaar anfängt. Der kleine Coorg wächst in einer Hippie-Kommune auf und gilt als Nachwuchs-Zauberer. Schafgarben-Orakel, freier Sex, langatmige Diskussionen über gutes und schlechtes Karma bestimmen seine Lebenswelt. Als er sechs Jahre alt ist, entführen ihn seine Großeltern in die katholische Welt einer irischen Kleinstadt. Im Alter von 14 wirkt Coorg, wen wundert es, schon sehr viel reifer als seine Mutter, die sich in immer neuen esoterischen Abenteuern verliert. Der Ire Frank Ronan, Jahrgang 1963, hat das ganz hübsch geschrieben, es geht aber insgesamt nicht sehr tief. Denn die Andeutung, dass orthodoxes Hippietum und rigide praktizierter Katholizismus in ihren Strukturen durchaus Ähnlichkeiten haben können, wird nicht wirklich konsequent ausgearbeitet. Dafür plätschert der Text leicht, unterhaltsam und streckenweise auch nostalgisch dahin: schöne Lektüre für Hippie-Senioren.

Frank Ronan: Cosmic Dancer. Roman. Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Eichborn Verlag, Frankfurt a. M. 312 S., 19,90 €.

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