Kultur : Schalke-Oper

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Uwe Friedrich über die Startschwierigkeiten der Ruhr-Triennale

Von London bis Breslau reicht das Einzugsgebiet der heute beginnenden Ruhr-Triennale. So jedenfalls sieht man sich selbst in Gelsenkirchen, wo die Schaltzentrale des ambitionierten Festivals sitzt. Viele Millionen Kunstfreunde, hofft Intendant Gerard Mortier, haben nur auf einen guten Grund gewartet, endlich in das ehemalige Kohlerevier zu reisen. 200 Veranstaltungen bietet das Unternehmen allein im zentralen Triennale-Jahr 2003 an. Endlich soll kultureller Glanz auf eine Region fallen, die noch immer für Taubenzüchtervereine, schleppenden Strukturwandel und hohe Arbeitslosigkeit steht.

Der grüne Kulturminister Michael Vesper installierte die Ruhr-Triennale, ohne bei den Kommunen lange um Erlaubnis zu fragen, und holte Gerard Mortier, der nach Salzburg gerade frei war. Etablierte Kulturinstitute fürchten nun um ihre Mittel, und das anscheinend zu Recht. Denn trotz aller Beteuerungen der Landespolitiker müssen die gut 42 Millionen Euro für drei Jahre irgendwie finanziert werden. Auch wenn etwa der Essener Oper nichts weggenommen wird, so macht sich doch bei Bibliotheken, Musikschulen und freien Projekten die Austrocknung bereits bemerkbar.

Das Programm beginnt in diesem Herbst mit inszenierter Kammermusik, etwa Schuberts Liederzyklen „Die schöne Müllerin“ und der „Winterreise“ . Die Tanz-Ikone Reinhild Hoffmann soll ins Ruhrgebiet zurückgelockt werden. Um die riesigen Industriehallen mit interessiertem Publikum zu füllen, soll aber auch Populäres geboten werden: Die unverwüstlichen Mozartopern „Figaro“, „Giovanni“ und „Cosi fan tutte“ werden über die drei Jahre erarbeitet. Herbert Grönemeyer, der einst als Schauspielmusiker in Köln begann, macht sich mit dem Schauspielhaus Bochum an ein „Parsifal“-Projekt. Erklärtes Ziel Mortiers ist es, die Besucher der Gelsenkirchener Schalke-Arena in die Oper zu locken.

Derweil bleibt umstritten, wie sinnvoll die millionenschweren Umbauten sind, mit denen die Industriedenkmäler in Zechen und Kokereien für den Publikumsbetrieb fit gemacht werden. Die Bochumer Jahrhunderthalle bekommt zum Beispiel ein neues Dach, neuen Fußboden und drei Bühnen, die jedoch aus akustischen Gründen nie parallel bespielt werden können. Heizen kann man die monumentale Halle auch nicht. Zur gleichen Zeit wird im benachbarten Dortmund ein neuer Konzertsaal eingeweiht, der alle Anforderungen perfekt erfüllt.

Innovative Projekte verschwinden indessen wieder in der Schublade, wie das „MusikWerkRuhr“. Hier sollte ein musikwirtschaftliches Gründerzentrum entstehen, spezialisiert auf Musik im Industrieraum. Auf lange Sicht sollte es sogar eine permanent tätige Ruhr-Philharmonie geben. Davon ist zunächst keine Rede mehr. Unbestritten ist die Qualität von Gerard Mortiers Auswahl: Die Künstler und Projekte haben internationales Format. Allerdings hält sich das Interesse zwischen London und Breslau noch in Grenzen. Was den Machern schlaflose Nächte bereitet, kann den Kunstreisenden in Richtung Ruhrgebiet nur freuen. Für fast alle Veranstaltungen gibt es noch Karten.

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