Schaubühne : Sex mit Elch

In der Kammer der Belanglosigkeit im Fach Schnapsidee: Marius von Mayenburgs "Perplex" in der Schaubühne.

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Das Spiel Scharade wird gern vorgeschlagen, um bei Abendgesellschaften oder Familienfesten das Eis zu brechen. Einer aus Gruppe A spielt etwas vor, und Gruppe B muss raten, um wen oder was es sich handelt. Der Sinn? Der Spaß, die Gruppendynamik, das Überraschende der Improvisation. Das Spiel ist das Spiel.

Etwas Ähnliches, also etwas, das nicht mehr ist, als es ist, kann man gerade an der Schaubühne erleben. „Perplex“ heißt die Veranstaltung, die von dem Autor Marius von Mayenburg verfasst und auch selbst angerichtet wurde. Es ist ein Witz, ein Theatergimmick, der mit den Konventionen einer Komödie, den unausgesprochenen Absprachen zwischen Publikum und Schauspielern und Theater- und Identitätsklischees spielt. Ein bisschen Yasmina Reza („Dreimal Leben“), ein bisschen Pirandello („Sechs Personen suchen einen Autor“) und ziemlich viel Pubertätsgekicher. Nicht ernst zu nehmen, aber charmant.

Ein Durchschnittspaar kommt nach dem Urlaub nach Hause und stellt fest, dass die Wohnungshüter sich so verhalten, als sei das Haus ihr eigenes. Verdattert zotteln sie von dannen, um in der nächsten Szene wieder zu erscheinen: der ehemalige Hausherr als achtjähriger Sohn der neuen Eigentümer. Noch eine Szene später kommt die ehemalige Hausherrin als Au-pair-Mädchen dazu und stellt sich als Mutter des Jungen heraus. So kippt eine Figurenbehauptung nach wenigen Dialogen in die nächste, verschiebt sich ständig alles, bis der Mann des einen Paares mit dem Mann des anderen Paares Sex hat. Das heißt, er hat Sex mit einem Elch, denn das Coming-out findet während einer Kostümparty statt, zu der die Frau des als Elch verkleideten Mannes übrigens als Vulkan erscheint.

Wie kommt von Mayenburg aus der Chose wieder raus? Landet alles zum Schluss auf dem Boden der ersten Realitätsebene? (Logistische Feinkniffelei!) Oder wird den Figuren auch das letzte Handtuch der Illusion vom Leib gerissen? (Erwartbare Theater-im-Theater-Augenzwinkerei.) Letzteres lassen nicht nur die Namen der vier Figuren befürchten, die mit den Vornamen der Schauspieler Judith Engel, Eva Meckbach, Robert Beyer und Sebastian Schwarz identisch sind.

Plötzlich sind die Figuren Schauspieler und reden davon, dass der Regisseur „etwas anders haben will“, aber als die aufgewühlte Eva ihn fragt, ist er nicht da. War nie da. Es hat ihn nie gegeben, sagt Judith Engel bedauernd, während sie am Rand des Wohnzimmers steht, das sich nach dem Fall einer Seitenwand in eine Garderobe verwandelt hat. So klappt sich dieses Nicht-Stück also freundlicherweise am Ende selbst wieder zusammen, um bis auf Weiteres in der Kammer der Belanglosigkeit im Fach Schnapsideen zu verschwinden. Andreas Schäfer

Wieder am 29., 30.11. und 1.12.

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