Kultur : Schaufenster aktueller Kunst

ELFI KREIS

Motorradunfall in der Leipziger Straße.Zum Glück nicht auf dem Asphalt, sondern im Schaufenster und im Spiegel der Kunst: eine inszenierte Fotografie von Jiri Cernicky.Auch die übrigen Schaufenster des Tschechischen Zentrums bleiben nicht leer.Die neue Ausstellungsreihe "Entfalten" wird künftig mit wechselnden Installationen Einblicke in die aktuelle tschechische Kunstszene geben.Den Auftakt bilden Frantisek Matouseks Postpop-Malerei, digitale Fotografien von Veronika Bromová und die Multimedia-Installation "Berlin-Info-Box" von Jiri David.Matousek und David zählen zu den Künstlern der Prager Galerie MXM, der die zentrale Ausstellung des Tschechischen Zentrums gewidmet ist.

Alljährlich stellt das Institut eine Privatgalerie ihres Landes vor.Die Reihe ist zeitlich unbegrenzt und soll jeweils kurzfristig auf neuste Entwicklungen in der tschechischen Kunstszene reagieren.Die letzten Jahre brachten Tschechien große ökonomische Erschütterungen und führten zu einem regelrechten Galeriesterben.Die Galerie MXM zählt neben der Galerie Jirí Svestka in Prag zu den beiden letzten mit Engagement für zeitgenössische tschechische Kunst.Bis heute existiert in Tschechien kein funktionierender Kunstmarkt.Es gibt dort kaum Sammler, keine Sponsoren und nur wenige Museen für Gegenwartskunst.Auch das einst recht lebhafte Interesse westlicher Sammler an "Ostkunst" ist inzwischen abgeflaut.Die Zukunftsaussichten für tschechische Galerien sind generell trübe.

Die nach ihrem Gründungsjahr 1990 benannte Galerie MXM war die erste Privatgalerie nach dem politischen Umbruch.In der Euphorie der Aufbruchssituation hielt Vàclav Havel die Eröffnungsrede für das erste Forum der jungen Kunstszene in der (damaligen) Tschechoslowakei.Zu Anfang war die Galerie eine Art nichtkommerzieller Alternativraum und wichtiges Diskussionsforum.Die Gründungsgeneration der Künstler war die der achtziger Jahre.Sie war von der Konfrontation mit dem Sowjetsystem geprägt.Bereits vor 1989 stand sie mit ihrem Programm der Postmoderne innerhalb der inoffiziellen Kunstszene in Startposition.Nach der Revolution erregten ihre fragmentarischen Bilder zur tabuisierten Vergangenheit und zur realen "sozialen Blaßheit" Aufsehen.Doch wurden die Künstler im eigenen Land wegen ihre internationalen Formsprache heftig kritisiert.MXM öffnete sich aber rasch für die Folgegeneration der neunziger Jahre.Jan Cerny, der die Galerie 1992 übernahm, holte 1995 auch eine Ausstellung von Martin Kippenberger und seinen Schülern nach Prag.Arbeiten tschechischer Künstler zeigte er zudem in internationalen Ausstellungen, so in Paris oder im Ludwig Forum Aachen.Er arbeitet dazu eng mit Kuratoren wie Jiri Sevcik und Jana Sevcikova zusammen.Sie bereiteten auch die Berliner Schau neuer Werken von zehn meist jüngeren Künstlern vor.

Mit ihrem Aberwitz fällt die computergenerierten Malerei von Jiri Suruvka auf, der zudem Performances und absurdes Kabarett macht.Toms Hlavina repräsentiert einen neuer Typ von sprachgewitzter Installation.Auffallend bei den meisten Teilnehmern ist, das sie sich vielfach einen kritischen Standpunkt bewahrt haben.Allgemein kennzeichnet Apathie gegenüber sozialen und gesellschaftlichen Fragestellungen die Situation.Die Künstler von MXM zeigen vor allem eines: Ironie in der Auseinandersetzung mit Fragen zu Identität, Nationalität und Rahmenbedingungen von Kunst.

Tschechisches Zentrum, Leipziger Str.60, bis 15.Januar (21.12.- 3.1.geschlossen).

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