Kultur : Schaugepränge - Liszts Werk mit Fabio Luisi

Eckart Schwinger

Als Herbert Kegel 1986 mit seinem Leipziger Rundfunk-Chor und -Sinfonieorchester im Schauspielhaus Liszts "Legende von der heiligen Elisabeth" aufführte, war das für die meisten eine Entdeckung. Nun kam die prunkhafte musikalische Legende in diesem Saal erneut zur hochrespektablen Aufführung durch die Leipziger Rundfunkensembles, durch Sinfonieorchester, Chor (Howard Arman) und Kinderchor (Gunter Berger) des MDR unter Fabio Luisi. Trotz mancher flacher Stellen beeindruckten wieder Klangschönheiten und auch phantastische kompositorische Züge. Dennoch fragte man sich erneut, weshalb das durch die Fresken Moritz von Schwinds angeregte Werk nach Worten von Otto Roquette nicht ins Repertoire der großen Chöre eingegangen ist.

Das mag zu allererst an den gigantischen Anforderungen liegen, die Liszt auch bei diesem Werk stellt, aber sicherlich auch an dem nachgerade szenischen Schaugepränge sowie an der schwer zu verkraftenden Länge dieser weitausgreifenden Legende von der ungarischen Fürstentochter Elisabeth, die schon als Kind dem Wartburggrafen Ludwig vermählt wird, der schließlich zum Kreuzzug aufbricht, während sich Elisabeth den Armen und Kranken zuwendet und von der Landgräfin Sophie verstoßen wird. Auch hierbei ist es erstaunlicherweise eine negative Gestalt, die wirklich suggestive Ausdrucksmomente besitzt: die an die Wagnersche Ortrud erinnernde Landgräfin, obwohl doch eine gewisse stoffliche Nähe nicht zum "Lohengrin", sondern zum "Tannhäuser" besteht. Kommt noch ein etwas merkwürdiges Nebeneinander von aufwallender, mitunter butterweicher Chorhymnik und kühler Archaik hinzu, von nazarenischer Sanftheit und einem in sich kreisenden, wenig ausdrucksträchtigen Chor- und Orchesterpomp, etwa in den Kreuzritter-Szenen.

Dennoch ließ Fabio Luisi mit der ihm eigenen eleganten Virtuosität keinen Zweifel daran, dass in dem opulenten Oratorium mit der mehrdimensionalen Form auch eine fast theatralische Bewegungsintensität steckt. Zudem ließ es Luisi nicht fehlen an deutlichen Hinweisen auf die ungarischen Einfärbungen der Partitur sowie an sensiblen Ausformungen der naturhaft schönen, nachgerade impressionistischen Partien, des Rosenwunders oder der Klage, dem Gebet und Tod der Elisabeth. Das imposante Solisten-, Chor- und Orchester-Ensemble entfaltete gehörigen Glanz. Nancy Gustafson war die mit vielfältig schimmernden, feinen Sopranfarben und großer deklamatorischer Intensität singende Elisabeth, während Dagmar Peckova die finstere Dramatik der Sophie mit zorniger Bravour herüberbrachte. Philippe Rouillon setzte die Partie des Landgrafen Ludwig mit harscher Heldenbariton-Manier hin. Und als Kaiser Friedrich II. orgelte der Superbass Peter Lika ganz gewaltig.

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