SCHAUSPIEL„Die Möwe“ von Anton Tschechow : Unverstandene Geste

Antje Horn-Conrad

Kaum zu glauben, dass es für die unermüdliche Theaterfrau Katharina Thalbach auf der Bühne noch eine ganz persönliche Premiere gibt: Zum ersten Mal wird sie Tschechow spielen. In „Die Möwe“ am Potsdamer Hans Otto Theater verkörpert sie die erfolgreiche Schauspielerin Irina Arkadina, die mit ihrem Geliebten, dem anerkannten Schriftsteller Trigorin, aufs Landgut ihres Bruders reist. Ihr dort lebender Sohn Kostja, ein nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen suchender junger Dichter, führt der Mutter ein eigenes Stück vor. Doch statt der ersehnten Anerkennung erntet er nur Spott und Unverständnis. Obendrein verlässt ihn seine geliebte Nina, die – wie eine Möwe – doch immer zum heimatlichen See zurückkehren wollte. Als Symbol seiner Verzweiflung legt ihr Kostja eine erschossene Möwe zu Füßen und droht, sich zu erschießen. Das Mädchen aber versteht die Geste nicht.

Obwohl das Stück in melancholischem Ton von unerfüllten Träumen, von unerwiderter Liebe und verwehrter Anerkennung erzählt, nannte es Anton Tschechow eine Komödie – eine Komödie des menschlichen Dramas. Zur Uraufführung 1896 in St. Petersburg hatte das noch niemand so richtig verstanden. Das Stück fiel durch. Erst zwei Jahre später verhalf das Moskauer Künstlertheater der „Möwe“ mit gebotener Detailtreue und starker Identifikation mit den Figuren zum Erfolg. Nun nimmt sich Uwe Eric Laufenberg des Stückes an. Unter seiner Regie sind als Kostja Markus Reymann und als Nina das neue Ensemblemitglied Ulla Schlegelberger zu erleben. Antje Horn-Conrad

Hans Otto Theater, Do 18.10., bis Sa 20.10., 19.30 Uhr, So 21.10., 15 Uhr, 10-29 €

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