Schauspieler Möller und Hammacher : "Loriot ist kein Boulevard"

Christiane Hammacher und Gunnar Möller spielen Loriots "Dramatische Werke" – und erklären seinen Witz.

Frau Hammacher, Herr Möller, Loriot sagt: Frauen und Männer passen nicht zusammen. Wie halten Sie es trotzdem seit einem Vierteljahrhundert miteinander aus?



MÖLLER: Frauen und Männer haben Schwierigkeiten miteinander. Aber das ist ja auch der Reiz.

HAMMACHER: Wir passen auf der Bühne wunderbar zusammen, wir spielen wahnsinnig gerne zusammen. Privat und politisch haben wir sehr unterschiedliche Ansichten.

Sollten wir jetzt nach Ihrer Lieblingsfarbe fragen, wie im Sketch "Die Eheberatung"?

MÖLLER: Grau, aber nicht so grau. Mehr grüngrau, ins Bräunliche. Eine Art Braungrau mit Grün. So geht das bei Loriot immer weiter.

Die Psychologin in Loriots Sketch hat ein Rezept für eine harmonische Ehe: "Der leichte Kuss aus der Grundhaltung, täglich dreimal."

HAMMACHER: Und dann fragt der Mann: vor oder nach dem Essen? Das ist eine Pointe, die leider meistens schon im Applaus untergeht.

Seit 20 Jahren haben Sie in über 600 Aufführungen Loriots "Dramatische Werke" gespielt. Sie treten in den Rollen auf, die im Fernsehen von Loriot und Evelyn Hamann verkörpert wurden. Ist es schwer, gegen die beiden anzuspielen?

MÖLLER: Loriot und Hamann haben Fernsehen gemacht, wir machen Theater. Das Wichtigste ist der Text, der wird auch Loriot überleben. Seine Szenen sind musikalisch, man muss sie wie Partituren spielen: Jeder Gedankenstrich bedeutet etwas.

HAMMACHER: Als uns 1989 die Rollen angetragen wurden, waren wir überhaupt keine Loriot-Kenner. Wir haben uns bemüht, die Sketche danach erst recht nicht im Fernsehen zu sehen. Ich trage an dem Abend zehn verschiedene Perücken, das bedeutet: zehnmal in eine andere Figur schlüpfen. Das macht Riesenspaß. Aber wie Frau Hamann das gemacht hat - ich weiß es gar nicht.

Bei Boulevardkomödien entsteht die Komik aus dem Tempo der Dialoge, Loriots Humor beruht hingegen auf der scheinbaren Teilnahmslosigkeit der Darsteller, die ohne jede Regung Begriffe wie "Kosakenzipfel" oder "Jodeldiplom" aussprechen.

HAMMACHER: Da muss ich widersprechen: Loriot ist kein Boulevard. Schnell gesprochenes Boulevardtheater erleben wir zwar dauernd, das ist aber grauenhaft. Der Witz bei Loriot ist: Als Schauspieler muss man die Menschen, die er entwirft, ganz ernst nehmen. Wir fühlen uns auf der Bühne genauso blöd, wie die Figuren geschrieben sind. Die Frauen sind ja alle sehr beschränkt, nicht bloß Frau Hoppenstedt in ihrer Jodelschule.

MÖLLER: Das Licht geht an, und der Charakter der Rolle muss - wupp! - sofort da sein. Man kann sich nicht entwickeln. Es sind nur drei Minuten, dann geht das Licht wieder aus. Sonst kommt man im Theater rein und hängt erst einmal einen Hut auf. Das gibt es bei Loriot nicht.

"Ach." "Aha." Das sind typische Loriot- Ausrufe, die signalisieren: Was der andere erzählt, interessiert mich nicht. Ist Loriot so komisch, weil er das tägliche Kommunikationsdesaster nur leicht zuspitzt?

MÖLLER: Es gibt Hunderte von Möglichkeiten, ein "Ach" auszusprechen. "Accchhh!", am Ende seufzend. Heißt: Was sagt der denn da, soll mich wohl wundern, wundert mich aber nicht. Oder scharf: "Ach!" Bleib mir doch weg. Oder, mit einem Klingeln hinterher: "Ach was!" Wegwerfend. Wird nur noch übertroffen durch ein zackig-arrogantes "A-h-a!" Schön ist auch Loriots "neinnein", angenervt, als ein Wort geschrieben. Manchmal muss man bei Loriot in einem Wort eine ganze Figur ausdrücken.

Herr Möller, nach 50 Jahren in München sind Sie nun nach Berlin zurückgezogen. Aus Sentimentalität?

MÖLLER: Nein, das war ein frischer Entschluss. Wir leben jetzt in Pankow, weil wir noch einmal etwas Neues beginnen wollten.

Sie waren ein Kinderstar des Ufa-Films. 1941 bekamen Sie die Hauptrolle für den Film "Kopf hoch, Johannes!" Was sind Ihre ersten Filmerinnerungen?

MÖLLER: "Mein Name ist Gunnar Möller, ich bin ölf." Das sagte ich berlinernd bei den Probeaufnahmen. Mein erstes Autogramm habe ich mit sieben Jahren gegeben, da spielte ich auf der Opernbühne einen Mohren im "Rosenkavalier". Dann bekam ich über Bekannte meiner Eltern Verbindungen zum Ufa-Werbefilm, machte Werbung für Vollkornbrot, künstliche Wurstdärme und Wander-Fahrräder. Nach "Kopf hoch, Johannes!" habe ich bis 1945 noch 17 Filme gedreht, darunter auch Propagandafilme wie "Junge Adler" oder "Die Degenhardts". Fürchterliche, aber auch sehr interessante Filme. "Die Degenhardts", ein Durchhaltewerk um eine Lübecker Fa milie, war der einzige Film, der alliierte Bombenangriffe auf deutsche Städte zeigte. Beim Film ist man freier, das war die Stimmung, die in den Studios herrschte. Aber das war eine Illusion.

Interview: Christian Schröder

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