Kultur : Schauspielerin Anneliese Römer tot

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Strehler, Piscator, Kortner– sie hat mit den großen älteren Regisseuren des deutschsprachigen Theaters gearbeitet. Doch am längsten war sie mit Claus Peymann verbunden. Anneliese Römer ging 1974 mit Peymann nach Stuttgart, wo sie in Stücken von Gerlind Reinshagen („Himmel und Erde“, „Sonntagskinder“) und Thomas Bernhard brillierte. Ein saftigmütterlicher, volksnaher Ton war ihr Markenzeichen. In Peymanns großem „Faust“-Projekt war Anneliese Römer die Kupplerin Marthe Schwerdtlein. 1979 folgte sie Peymann nach Bochum. Dort war sie die Daja in Peymanns legendärer „Nathan“-Inszenierung und spielte in Thomas-Bernhard-Uraufführungen. Weiter ging die Reise der 1922 in Leipzig geborenen Schauspielerin mit dem Peymann-Tross nach Wien: Bei Bernhards Skandal-Stück „Heldenplatz“, 1988 am Burgtheater uraufgeführt, war sie mit von der Partie. Ihre Art hatte durchaus etwas Berlinerisches, doch als sie Anfang der Neunzigerjahre nach Berlin kam, an die Staatlichen Schauspielbühnen, waren ihr hier kaum noch Rollen vergönnt. Schiller- und Schlosspark-Theater, wo sie noch den „Besuch der alten Dame“ von Dürrenmatt, Shakespeare und Volker Braun spielte, standen bereits vor der Schließung. Nach dieser harten Zäsur wurde es still um Anneliese Römer - wie um so viele große Schauspieler ihrer Generation und Klasse. Seit den Vierzigerjahren war sie auch in Spielfilmen von Heinz Hilpert und Helmut Käutner und später häufig in Fernsehproduktionen zu sehen gewesen. Am Dienstag ist Anneliese Römer nach langer, schwerer Krankheit in Berlin gestorben, wie ihr Sohn gestern mitteilte (Nachruf folgt). Tsp/dpa

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