Schauspielerin : Ilse Werner gestorben

Schon als Kind verblüffte sie durch ihre Pfeifkünste - die ehemalige Ufa-Schauspielerin Ilse Werner starb in der Nacht zum Montag in einem Lübecker Pflegeheim im Alter von 84 Jahren.

Lübeck/Berlin (08.08.2005, 17:00 Uhr) - Sie war die "Frau mit Pfiff", ein Ufa-Star und Publikumsliebling: Die Schauspielerin und Sängerin Ilse Werner ist tot. Die Künstlerin starb in der Nacht zum Montag im Alter von 84 Jahren in einer Seniorenresidenz in Lübeck. Nach Angaben ihrer langjährigen Freundin Edeltraut Langhals-Declair war Werner zuletzt verarmt und wegen andauernder Schmerzen vielfach kraftlos. Als möglicher Bestattungstermin wurde der 24. August genannt.

"Sie ist nach einem kurzen Kampf ruhig eingeschlafen", sagte Langhals-Declair der dpa und bestätigte damit einen Bericht des NDR 90,3. "Ilse Werner soll in Potsdam bestattet werden, dort, wo sie in den Babelsberger Studios die schönste Zeit ihres Lebens verbracht hat."

Ilse Werner war durch zahlreiche Film- und Fernsehrollen, vor allem aber durch ihre virtuosen Pfeifkünste bekannt geworden. Über Jahrzehnte stand die Künstlerin für heitere, niveauvolle Unterhaltung. Berühmt wurde die Absolventin des namhaften Wiener Max-Reinhardt-Seminars 1942 mit dem Ufa-Film "Wir machen Musik" als Partnerin von Victor de Kowa.

In einer Reaktion auf die Todesnachricht erinnerte der Schauspieler und Sänger Johannes Heesters (101) an die schöne gemeinsame Zeit bei der Ufa. "Sie war ja auch eine sehr hübsche Kollegin. Und sie hat wunderbar gepfiffen", sagte Heesters der dpa in Berlin. Außerdem seien sie sozusagen Landsleute gewesen, er als Holländer und sie sei in Batavia, im damals holländischen Indonesien, geboren.

Ilse Still, wie die Tochter eines reichen niederländischen Kaufmannes und einer Deutschen ursprünglich hieß, wurde am 11. Juli 1921 im heutigen Jakarta geboren. 1931 kehrte sie mit ihren Eltern nach Deutschland zurück, mit 15 wurde sie Studentin am Max- Reinhardt-Seminar und nahm den Mädchennamen ihrer Mutter an. Auf der Bühne des Theaters in der Josefstadt in Wien wurde sie für den Film entdeckt; in der Folge spielte sie in rund 30 Streifen mit.

Darunter waren so bekannte Filme wie "Wir machen Musik", "Die schwedische Nachtigall", "Große Freiheit Nr. 7" und "Wunschkonzert", aber auch ein Film, der zu ihrem großen Bedauern nie in die Kinos kam: "1990 habe ich mit Gisela May und Harald Juhnke den Film "Die Hallo-Sisters" gedreht, die Geschichte zweier ehemals bekannter Sängerinnen, die mit ihrem Comeback-Versuch scheitern", erzählte sie einst. Weil sich kein Filmverleih fand, wurde ein Fernsehfilm daraus. Für diesen Streifen bekam Ilse Werner den Deutschen Filmpreis in Gold.

Schon als Kind verblüffte sie durch ihre Pfeifkünste und wollte bereits in jungen Jahren Schauspielerin werden. Daneben machte Ilse Werner auch als Sängerin Karriere. Nach einem zeitweiligen Berufsverbot nach 1945 wegen ihrer Rolle für die NS-Propaganda kehrte sie 1950 mit dem Streifen "Die gestörte Hochzeitsnacht" auf die Leinwand zurück.

In den siebziger Jahren gelang ihr mit dem Stück "Wir sind noch einmal davon gekommen" von Thornton Wilder der Wechsel ins Charakterfach. Daneben engagierte sich Ilse Werner auch als Show- und Talk-Masterin sowie in verschiedenen Fernsehrollen.

Ihre letzten Jahre verbrachte sie zurückgezogen in einem Lübecker Seniorenheim. Seit mehreren Monaten lag sie dort auf der Pflegestation, nachdem sie zwei Mal an der Hüfte operiert worden und Anfang April erneut gestürzt war.

Wegen eines langen Komas, in das sie zeitweise gefallen sei und anhaltender Schmerzen habe die Kraft sie verlassen, sagte ihre Freundin Langhals-Declair. Sie habe ein "wundervoll erfülltes Leben gehabt", sei aber zuletzt sehr verarmt gewesen. Freunde und Kollegen hätten vor mehr als zwei Jahren einen Fonds für Ilse Werner aufgelegt, um ihr ein würdiges Leben zu ermöglichen. (tso)

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