Kultur : Schauspielerin Jennifer Minetti ist tot

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Die Schauspielerin Jennifer Minetti ist am Freitag im Alter von 71 Jahren im oberbayerischen Bad Aibling gestorben. Seit 1977 gehörte sie unter der Leitung von Dieter Dorn zum Ensemble der Münchner Kammerspiele und ging 2001, als Dorn Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels wurde, mit ihm ans Münchner Residenztheater. In Dorns Abschiedsinszenierung zum Ende seiner Intendanz war Jennifer Minetti in einer Nebenrolle von Kleists „Käthchen von Heilbronn“ Ende Juni zum letzten Mal auf der Bühne gestanden. Sie spielte eine der Tanten des Ritterfräuleins und Zombie-Monsters Kunigunde von Thurneck und war in einem mehr als 30-köpfigen Ensemble doch auf Anhieb und mit wenigen Worten oder Gesten präsent.

Jennifer Minetti wurde 1940 in Berlin geboren und begann ihre Theaterkarriere Ende der 1950er Jahre am Landestheater Hannover. Sie war die Tochter des Schauspielers Bernhard Minetti, ihr älterer Bruder Hans-Peter machte Karriere im DDR-Theater. Ein Münchner Kritiker nannte die oft schonungslos schräge, witzige und meist in derberen Nebenparts besetzte Schauspielerin die „große zweite Geige“. Oft schien sie dabei im sogenannten „komischen Fach“ festzustecken.

Tatsächlich war Jennifer Minetti eine selbstlose, völlig uneitle und überaus präzise Ensemblespielerin, ohne die personenreiche Stücke in einem Repertoiretheater kaum möglich wären. Und dezent brillieren konnte sie durchaus: etwa als Frau Miller in Schillers „Kabale und Liebe“, wo sie unter Ernst Wendts Regie an den Münchner Kammerspielen eine resolute Bürgerin darstellte, die auch gegen die bigotte Doppelmoral des eigenen Standes rebellierte. Ähnlich wie ihre berühmte Kollegin Therese Giehse bekam die rundlich untersetzte Schauspielerin im Alter auch eine zarte Durchsichtigkeit. Jennifer Minetti, so heißt es nun im Nachruf ihres Theaters, „strahlte die große Würde“ eines tief empfundenen Lebens aus. P. v. B.

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