Kultur : Schein oder Nichtschein Länglich: Roger Donaldsons

CIA-Thriller „Der Einsatz“

Martin Schwickert

„Nichts ist so, wie es scheint“, sagt Al Pacino, zerreißt eine Zeitung mehrmals, wedelt damit herum, und – Hokuspokus – plötzlich ist sie wieder ganz. Toller Trick. Würde Regisseur Roger Donaldson („Thirteen Days“) auch gerne können. Ein bisschen Magie auf die Leinwand bringen und das Publikum richtig in die Irre führen. Und er versucht es, einen langen Film lang. Nichts ist, wie es scheint – eine Kino-Binsenweisheit. In „Der Einsatz“ aber müssen die Figuren den Satz so oft wiederholen, als sei er das ultimative Erleuchtungs-Mantra.

Nach dem Zaubertrick kreist Pacino drei Buchstaben auf der Zeitung ein. Aus dem Wort „Financial“ wird CIA. Dahinter muss man keine subversive Systemkritik vermuten. Auch wenn sein Gegenüber meint, der CIA sei „ein Haufen fetter Säcke, die gepennt haben, als wir sie am meisten brauchten“. Doch was, wenn die Leute dort draußen in Langley echte Profis sind?

Als Talentscout rekrutiert Walter Burke (Pacino) den frisch diplomierten Computerhacker James Clayton (Colin Farrell) für den geheimen Dienst am Vaterland. James ist Halbwaise. Sein Daddy blieb beim Auslandseinsatz für eine Ölfirma verschollen. Burke legt die Vermutung nahe, dass er einer der namenlosen Sterne auf der Gefallenenliste des CIA sein könnte. Genaues könne er nicht sagen. Nur soviel: James habe es im Blut, das Spionagehandwerk.

Aber erst einmal geht es ins Ausbildungslager. Auf der „Farm“ lernen die Agenten Autos sprengen, Lügendetektoren foppen – und vor allem eines: Misstrauen. Denn, ganz recht, nichts ist schließlich so, wie es scheint. Was besonders für Frauen gilt. Die schöne Kollegin Layla (Bridget Moynahan) tut offenbar als Doppelagentin in einem Schurkenstaat Dienst. Großes steht auf dem Spiel, was man an den Tabellen erkennt, die nach geradezu atemberaubenden Download-Prozessen aus der CIA-Zentrale geschmuggelt werden. Burke setzt James als besonders geheimen Geheimagenten auf die feindliche Datensammlerin an. Schon bald gerät der Azubi in Konflikt zwischen lockendem Weib und charismatischem Ersatzvater.

Drei Drehbuchautoren haben an dem Script herumgedoktert. Mehr Plausibilität für die Story hat’s nicht gebracht. Und Pacino? Arg oft schon hat man ihn als zwielichtigen Mentor gesehen. Wenn Charisma zur Routine wird, ist die Grenze zur Lächerlichkeit nah. Das gilt besonders für Schlussmonologe, die dem Agentendrama zur finalen Klarheit verhelfen sollen. Da schaut man lieber dem chronisch unrasierten Colin Farrell bei der Arbeit zu und hofft, dass er sich beim Dreh nicht mit dem Method-Actor-Virus infiziert hat.

In elf Berliner Kinozentren; Originalversion im Cinestar Sony Center

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