Kultur : Scheinlandschaften

Dürer, Picasso und eine Privatsammlung aus New York: Herbstauktionen bei Bassenge.

Kampfstrand. Öl auf Leinwand von Norbert Bisky (1999). Foto: Bassenge / VG Bildkunst 2013
Kampfstrand. Öl auf Leinwand von Norbert Bisky (1999). Foto: Bassenge / VG Bildkunst 2013

Von einem edlen Wellnessbad ist „Madonna and the Fairy“ (2002/2003) mindestens so weit entfernt wie New Yorks Lower East Side von Berlin: Auf dem Bild von Dan Colen sieht man in einen dunstigen Spiegel, blickt auf einen Duschvorhang aus Plastik und ein altes WC. Dennoch soll das Sujet in lebensnaher Größe von zwei Metern Höhe mindestens 80 000 Euro kosten, wenn es am 4. Dezember im Auktionshaus Bassenge versteigert wird – allein schon weil der 1979 geborene Colen zu jenen coolen Jungs gehört, deren Künstlerkarriere in den vergangenen Jahren von Galerien wie Deitch Projects oder Gagosian beflügelt wurde.

Noch spektakulärer ist allerdings die Tatsache, dass die amerikanische Privatsammlung, in der das Öl-auf-Kunststoff-Gemälde bislang zu finden war, zur Auktion an ein Berliner Haus gegangen ist. So versteigert Bassenge nun im Rahmen der 102. Auktion mit Kunst und Fotografie, was ein Musikproduzent aus New York über die Jahre erworben hat: eine wunderbar eigenwillige, dabei deutlich homoerotisch konnotierte Mixtur aus Werken der Klassischen Moderne von Fernand Léger oder George Grosz bis hin zur unmittelbaren Zeitgenossenschaft eines Terence Koh, Thomas Ruff und Norbert Bisky.

Doch auch Freunde der alten Kunst werden bei Bassenge wie gewohnt fündig. Die Vorbesichtigung weckt Interesse unter anderem für zwei Radierungen nach Giuseppe Arcimboldos „Vier Jahreszeiten“, die um 1600 entstanden sind und 7500 Euro kosten sollen. Druckwerke von Dürers „Maria Verkündigung“ (8000 Euro) und ein Rembrandt-Blatt des ersten Zustandes mit dem Sujet des „Verlorenen Sohnes“ (15 000 Euro) zählen zu den Spitzenlosen, wenn am 28. November die grafischen Schätze versteigert werden.

Mit jeweils 24 000 Euro belegen die „Nächtliche Wüstenlandschaft“ des aus Tschechien stammenden Malers Otto Pilny und das „Bildnis eines bärtigen Mannes“ (1886) von Grigori Grigorjewitsch Mjassojedoff ebenfalls Spitzenplätze in der Auktion von Gemälden Alter und Neuerer Meister sowie Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts am 28. November. Ein Bühnenprospekt von Giuseppe Galli Bibiena (20 000 Euro) gibt eine Vorstellung davon, wie prachtvoll im 18. Jahrhundert die Dresdner Oper ihre Aufführungen inszenierte. Teils weit darüber liegen die Offerten im Bereich der modernen Kunst. Auf 80 000 Euro ist etwa ein weiblicher Akt von Massimo Campigli geschätzt, mindestens 30 000 Euro soll eine aus dem Jahr 1992 stammende Komposition des brasilianischen Künstlers Roberto Burle Marx bringen.

Für etwas mehr als die Hälfte, 18 000 Euro untere Taxe, lässt sich eine charakteristische Abstraktion von Hans Hartung ersteigern, bei Pablo Picassos „Torse de Femme (L’Egyptienne)“, einer wunderbaren Aquatinta, die 1953 als großformatiges Blatt in kleiner Auflage entstanden ist, muss man mit sehr viel mehr rechnen: Sie wird von den Bassenge-Experten auf mindestens 180 000 Euro geschätzt. cmx

Vorbesichtigung: Alte Kunst, 21.–27. 11., Erdener Str. 5a / Moderne Kunst & Fotografie, 21. 11.–3. 12., Rankestr. 24 / Sonderauktion: 21. 11.– 3.1.12., Lützowplatz 9; Auktionen: 28.11.–4.12., www.bassenge.com

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