Kultur : Schenk mir einen Avatar

Ausstellungen, die man an diesem Wochenende nicht verpassen sollte. Ein Rundgang

Seit ein paar Tagen blicken Margret Uhrmeister und Cai Wagner aus ihren Fenstern auf die Prachtfassaden der Karl- Marx-Allee. Die Galerie Hermann und Wagner hat Mitte den Rücken gekehrt und sich als Wagner und Partner auf die Reise gen Osten gemacht: In unmittelbarer Nachbarschaft zur Sammlung Haubrock und Galerien wie Adamski oder Kaufmann zeigt sie nun ihr Programm: aktuell Arbeiten von Peter Dreher und Natascha Stellmach zum Thema Tod (Karl-Marx-Allee 87, Sa/So jeweils von 12–18 Uhr; bis 11.10.).

Düster sind die fotografischen Aufnahmen von Vera Lutter: Venedig bei Nacht, das ohne jeden romantischen Zauber auskommt. Stattdessen präsentieren ihre Bilder in der Galerie Max Hetzler eine leere, steinerne Stadt mit schwarzen Wasserflächen und hart konturierten Gebäuden, aus deren Öffnungen sich überirdisch weißes Licht ergießt (Zimmerstr. 90/91, Sa 11–18 Uhr; bis 18.10.).

Einen Klassiker zeigt die Galerie Buchmann. Schon einmal hat der Mystiker Wolfgang Laib die Räume mit seinen strengen Reishäusern und leuchtendem Blütenstaub gefüllt. Diesmal wird der 1950 Geborene über 1000 tönerne Gefäße aufstellen und mit Materialien wie Asche oder Granit kombinieren (Charlottenstr. 13, Sa 11–18 Uhr; bis 1.11.).

Das Zeug zum Klassiker hat auch Dorothy Iannone – allerdings auf andere Art. Die ehemalige Lebensgefährtin von Dieter Roth blickt auf ein enormes Werk zurück, das sich um alle Spielarten der Liebe dreht: ein Kosmos aus Körpern, Farben und Ornamenten. Iannones Malerei wird seit einiger Zeit wiederentdeckt, und die Galerie September schlägt nun ein weiteres Kapitel des verdienten Revivals auf (Charlottenstr. 1, Sa 11–18 Uhr; bis 25.10.).

Auf angemessene Würdigung wartet ebenfalls Louise Fishman. Zumindest in Europa wird die streitbare New Yorkerin, die in den siebziger Jahren Stoffe zerschnitten und mit groben Stichen wieder zusammengenäht hat, unterschätzt. Die Galerie Kienzle und Gmeiner gibt deshalb Einblick in das Werk der Feministin – von den Anfängen bis zur aktuellen gestischen Malerei(Bleibtreustr. 54, Sa 11–18 Uhr; bis 26.9.).

Überhaupt Charlottenburg: In Erinnerung an Gerd Rosen, dem ersten Galeristen der Nachkriegszeit am Kurfürstendamm, eröffnen 20 Galerien an der Fasanen- und Mommsenstraße ihre Ausstellungen zur selben Zeit (Sa 17-21 Uhr).

Auf dem letzten Art Forum war der Stand der Galerie Crone am ersten Tag ausverkauft – alle wollten die neuen Gemälde von Norbert Bisky. Eine zweite Chance gibt es heute: Bisky wird mit einer ersten Einzelausstellung in den Galerieräumen gefeiert (Rudi-Dutschke- Str. 26, Sa 11–18 Uhr; bis 31.10.).

Auf sich selbst ist man schließlich in der Ausstellung „ego alter ego“ zurückgeworfen: Für die Galerie Zink hat Felix Stephan Huber einen Avatar entworfen, mit dem der Besucher den Raum erforschen kann, der ihn im Gegenzug aber auch zur Interaktion zwingt (Schlesische Str. 27, Sa/So 11–15 Uhr; bis 18.10.). cmx

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