Kultur : Schicht für Schicht

Symbiose von Malerei und Fotografie: Kubiak & Rauch

Michaela Nolte

„Als der Mond noch bei der Erde war“ scheint ein tröstliches, ein hoffnungsvoll melancholisches Leitmotiv für eine Ausstellung zu sein. Doch war in Urzeiten wirklich alles gut, wie es der Titel suggeriert? Kubiak & Rauch führen den Betrachter mit ihren Gemeinschaftsarbeiten im Wortsinne hinter das Licht. Die Antwort darauf, ob die Vorzeit katastrophisch oder paradiesisch war, bleibt offen. Zusätzliche Rätsel gibt ihre Technik auf, die zwischen Malerei und Fotografie changiert. Anfang der neunziger Jahre begaben sich der 1961 geborene Maler Johannes Ulrich Kubiak und der Fotograf Ludwig Rauch (Jahrgang 1960) auf die Suche nach einer neuen Bildsprache, die die jeweiligen künstlerischen Ausgangspunkte nicht ergänzend auffasst, sondern symbiotisch vereint.

Welchen Anteil die Malerei, welchen die Fotografie ausmacht, ist heute kaum mehr zu entschlüsseln. Fraktales, Ornamentales, historische und kunsthistorische Aufnahmen, Bilder von Menschen, aus der Welt der Pflanzen und der Architektur purzeln durcheinander. Das führt in Arbeiten wie „Die Lichtsucher“ (8750 Euro) oder der 1999 entstandenen „Entladung" (6425 Euro) zu einer spannungsvollen und düster-surrealen Sprache. Die diaphane Materialität und die malerischen Spuren bilden im Einklang mit den Fotografien Schichten für ein unwirtliches Territorium, in dem Mensch, Natur und Zivilisation eine fesselnde Beziehung außerhalb von Zeit und Raum eingehen.

Für ihr Patchwork überlagern und verquicken Kubiak & Rauch einen speziellen licht- und farbempfindlichen Film mit Polyester, Bienenwachs oder Lack. Dejà-vu-Erlebnisse stellen sich ein: In der Serie „Durst“ (je 1800 Euro) finden sich Anklänge an die frühen Körperfotografien von Thomas Florschuetz und transparente Druckfilme hat Wolf Vostell bereits in den sechziger Jahren als Bildträger eingesetzt. Die narrative Kraft mit der „Drei Könige“ (8750 Euro) wirbelwindend den Bildraum sprengen, fehlt manchen Kleinformaten, und man möchte meinen, dass ein halber Quadratmeter eben doch nicht ausreichend Platz für beide Künstler bietet. Am überzeugendsten sind die Werke von Kubiak & Rauch, wo sie ruhige Geschichten anstimmen, die vieldeutig und erzählerisch den Effekt des technischen Aufwands vergessen machen.

Galerie Eva Poll, Lützowplatz 7, bis 2. November; Montag 10-13 Uhr, Dienstag bis Freitag 11-18.30 Uhr, Sonnabend 11-15 Uhr.

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