Kultur : Schicksale

Lange Nacht der Akademie mit Georg Stefan Troller

Maxi Leinkauf

Lebensläufe. So lautete das Motto der Langen Nacht der Akademie der Künste. Beispielsweise Charles Bukowski. Einer, der rumlungert in Downtown L. A., der beobachtet. „Komm, lass uns heimgehen und uns betrinken“, lädt er den Journalisten ein, der ihn gerade filmt. Heute, Jahrzehnte später, sitzt Georg Stefan Troller im Publikum. Die Zeit ist eine andere, er ist noch derselbe. Dem österreichischen Dokumentarfilmer ist ein großer Teil dieses Abends gewidmet. Was für ein Leben. Als Sohn jüdischer Eltern in Wien geboren, emigrierte er als junger Mann in die USA. Erst 1949 kehrte er nach Frankreich zurück. Er verkehrte mit der Bohème, Gréco, Gainsbourg. Der 86-Jährige wirkt wie der typische Grandseigneur. Kein Wunder, seit vierzig Jahren lebt er in Paris. In der ganzen Welt hat er Menschen interviewt.

In der Akademie fragt Troller provokativ: „Was bedeutet Ihr Name für Sie, Herr Staeck: Dass Sie viel einstecken müssen?“ Dann kreist das Gespräch um die Treppenrede, die Klaus Staeck als Akademiepräsident eingangs gehalten hat. Sie ist ein Ritual der Langen Nacht. Diesmal ging es um die Bedeutung der 68er, Kunst und Revolte. Darum, wie lange die Akademie noch ohne Dieter Bohlen auskomme. Troller sieht sich nicht als moralische Instanz: Er nutzt die Kamera als Instrument. Schonungslos zeigt er Schicksale, beschreibt, wie fehlbar Menschen sind. Das macht sein Werk so zeitlos. Er seziert den Boxer Muhammed Ali, wie er für den nächsten Fight trainiert und seinen Sieg später in einem weißen Nobelhotel feiert, mit Schwarzen, die sich, wie er, arrangiert haben. „Ich habe den Leuten immer Fragen gestellt, die mich selber umtreiben“, so Troller mit Wiener Dialekt. Maxi Leinkauf

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