Kultur : Schiller

Diese Woche auf Platz 13 mit: „Tag und Nacht“

Ralph Geisenhanslüke

„Die Musik“, schrieb Friedrich Schiller, solle nicht „Worte mahlen und sich mit kleinlichen Spielereien abgeben“, sondern „dem Geist der Poesie im Ganzen folgen“. Was die Vertonungen seiner Schriften anging, waren Schillers Anhänger von je her kritisch. Die Opern? Okay. Aber schon bei Beethovens „Ode an die Freude“ waren Feingeister dem Hörsturz nahe. Und jetzt auch noch dieser junge Mann mit seinen Synthesizern!

Christopher von Deylen, Jahrgang 1970, ist mit der Elektronik von Kraftwerk, Jean Michel Jarre und Tangerine Dream aufgewachsen. Seit vier Jahren veröffentlicht er seine Musik unter dem Dichternamen. Normalerweise gelten deutsche Elektroniker im eigenen Lande wenig, ehe sie nicht in England oder den USA entdeckt werden. Schiller gelang beides. Sein Debüt, in seinem Schlafzimmer produziert, ging sofort auf Platz 1. Seither reiht von Deylen, mittlerweile in Berlin-Friedrichshain ansässig, Erfolg an Erfolg. Und wird – besonders wegen der Trance-Techno-Remixe – auch im Ausland geschätzt.

Von Deylen ist Schillers ganzheitlichem Anspruch durchaus verpflichtet. So wie dessen metrisch suggestive Sentenzen immer makellos dicht und doch licht und frei wirken, so schaffen auch von Deylens Sequenzen eine in sich geschlossene und zugleich inspirierte Gedankensphäre, in der etwa ein Thomas D. mit seinem Text zu „Die Nacht … Du bist nicht allein“ zu großer Form findet. Sollte man schon sagen: Thomas von D.? Ein zeitgemäßer Schlussakkord für das Schillerjahr.

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