Schinkels Leben : Ein Mensch seiner Zeit

Karl Friedrich Schinkel wird in der Forschung erstmals auch als Mensch mit seinen Schicksalsschlägen und Problemen gezeigt.

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Karl Friedrich Schinkel: Selbstbildnis mit Susanne Schinkel, geb. Berger, um 1807/09 (Ausschnitt). Foto: © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin
Karl Friedrich Schinkel: Selbstbildnis mit Susanne Schinkel, geb. Berger, um 1807/09 (Ausschnitt).Foto: © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin

Was hat Karl Friedrich Schinkel nicht alles geleistet – er war ein herausragender Architekt in Preußen, ein begnadeter Zeichner und Bühnenbildner, Kunstschriftsteller und Designer, wie man heute sagen würde, und ein leidenschaftlicher Denkmalschützer, dazu preußischer Staatsbeamter mit einer steilen Karriere und unzähligen Orden und Mitgliedschaften in Akademien. Ein international hoch geschätzter Mann, der vor allem Berlin seinen architektonischen Stempel aufgedrückt hat. 1841 ist er mit 60 Jahren nach schwerer Krankheit schließlich an Hirnerweichung gestorben, viel zu früh, denn was hätte er noch alles schaffen und vollenden können? Schon 1821 schreibt Schinkel in einem Gesuch: „Die Sphäre des Artistischen, welche allein mir zusagt, hat in meiner Ansicht eine so unendliche Ausdehnung, daß ein Menschenleben viel zu kurz für sie ist. Mit Bekümmernis fühle ich, daß ich unter anderen Verhältnissen noch mehr darinnen hätte leisten können, daß ich aber innerlich zerrissen werde durch Arbeiten, zu denen ich die Zeit meiner eigentlichen Bestimmung entziehen muß.“

Schaut man sich die Vita Schinkels an, dann ist er tatsächlich rastlos unterwegs, in Deutschland und Europa, inspiziert alle preußischen Bauaufgaben, begründet die Denkmalpflege in Preußen, macht Pläne für das (Alte) Museum auf der Museumsinsel und für das Gewerbeinstitut in der Klosterstraße und entwirft immer häufiger und intensiver Bauten für Kronprinz Friedrich Wilhelm. Ein Hansdampf in allen Gassen möchte man sagen, aufgeschlossen der anbrechenden Moderne gegenüber.

Aber er hatte auch schwere Schicksalsschläge zu verdauen, den frühen Tod des Vaters und der Mutter, den frühen Tod des geliebten Bruders. Ein eher privater Schinkel offenbart sich jetzt in der Ausstellung mit einem frühen Selbstporträt und drei vorzüglich gemalten Porträts seiner Kinder. Bei aller bedeutenden Arbeit auf dem Gebiet der Architektur und der Denkmalpflege sieht sich Schinkel selbst doch vor allem als freier Künstler, wie Heinrich Schulze Altcappenberg, der Direktor des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, schreibt. In seiner Autobiografie in Meyers Lexikon, die er selbst verfasst hat, nennt er nicht seinen Museumsbau von 1830 als bedeutendes Werk, sondern das Landschaftsbild „Blick in Griechenlands Blüte“. Die Zeitgenossen, so Schulze Altcappenberg, sahen Schinkel in der Tat eher im Kreise der romantischen Dichter, Denker und Maler.

Schinkel selbst hat in seinem Bauschmuck zum Aufgang zu seiner Wohnung in der Bauakademie die Tugenden des Architekten als Gegensatzpaare verewigt, „himmlische Phantasie“ und „irdischen Fleiß“, „Berechnung“ und „Gestaltung“. Diese Zerrissenheit zwischen Amt und Kunst weiß Schinkel aber aufzufangen, in dem er sich unterschiedliche Sphären sucht, seine offiziellen Tätigkeiten durch seine künstlerischen Kontakte ausgleicht, wie Schulze Altcappenberg ausführt. Bestätigung für diese These findet er auch in Schinkels Theorie, dass erst das „Poetische“ und das „Historische“ ein Bauwerk zum Kunstwerk machen. Schinkels früher Biograf Waagen vergleicht dessen „historische Landschaftsmalerei“ mit der aufkommenden Begeisterung und Popularität des „historischen Romans“. So erscheint Schinkel als eine Persönlichkeit, die Gegensätze lebt und aufeinander einwirken lässt, getrieben von einer unendlichen Neugier, die ihn schon früh zu dem Schluss kommen lässt, ein Leben reiche nicht aus, um das alles zu vollenden, was noch zu tun sei. Rolf Brockschmidt

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