Kultur : Schirm und Schloss

Beim Humboldtforum sei „der point of no return erreicht“, frohlockt Manfred Rettig, der Chef der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, schon seit geraumer Zeit. Das mag so sein, auch wenn das richtig dicke Bau-Geld erst für die Jahre ab 2014 in den Bundeshaushalt eingestellt wird. Zumindest symbolisch aber ist der unumkehrbare Augenblick mit Sicherheit erreicht, jetzt, da Bundespräsident Joachim Gauck die Schirmherrschaft übernommen hat – nicht übers Schloss, das ginge irgendwie nicht, wohl aber über besagte Stiftung, die nach dem Beschluss des Bundestages als Bauherrin und spätere Eigentümerin fungiert.

Gauck, dieser durch und durch zivile, im Zweifelsfall aber kämpferische Bürger, als Schirmherr des SchlossbauHumboldtforum-Projekts: Das dürfte auch die letzten noch ausgetragenen Scharmützel um die Details des 600-Millionen-Euro-Vorhabens zu Nachhutgefechten zusammenschnurren lassen. Beispiel Kuppel: Sie ist bekanntlich in den Haushaltsmitteln des Bundes nicht berücksichtigt, sondern soll mit Spendengeldern errichtet werden; und doch wissen die Haushälter des Bundestags, dass die veranschlagten 32 Millionen für die Krönung des Bauwerks aufgebracht werden müssen, so oder so. Eben dafür dürfte die Schirmherrschaft des Bundespräsidenten hilfreich sein – um das Engagement derherauszufordern, die sich in den zurückliegenden Jahren stets für Schloss und Forum eingesetzt haben.

„Let this noble project happen“, soll Neil MacGregor gesagt haben, der selbst ein nobler Berlin-Freund ist und ein Kenner der deutschen Kultur. Er ist im Hauptberuf Direktor des britischsten aller Museen und weiß, was es für eine Weltstadt bedeutet, ein Haus von Weltgeltung in ihrer Mitte zu haben. Vom British Museum kann nur lernen, was einmal Humboldtforum werden will. Allein schon der point of no return zwingt dazu.

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