Kultur : Schirmers Abgang schockiert die Theaterwelt

Der abrupte Rücktritt des Intendanten des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, Friedrich Schirmer, stößt in der Theaterszene auf Unverständnis und Kritik. Hamburgs Kultursenator Reinhard Stuth (CDU) wurde davon völlig überrascht. Stuth, der noch nicht einmal drei Wochen im Amt ist, sagte im NDR: „Ich war, als Herr Schirmer das erste Mal mit mir darüber sprach, vollkommen sprachlos.“ Schirmer hatte am Dienstag wegen der „gravierenden Unterfinanzierung“ des Theaters Stuth gebeten, den Vertrag zum 30. September aufzuheben. Stuth will nun erst einmal mit den führenden Vertretern des Schauspielhauses und anderer Hamburger Theater sowie Fachleuten außerhalb Hamburgs sprechen, um zu sehen, wie es weitergehen könne.  Der Intendant des Hamburger Thalia-Theaters, Joachim Lux, äußerte sein Bedauern über den „überstürzten Rücktritt“ Schirmers. „Ich kann ihn mir nur so erklären, dass ihm die ökonomischen Schwierigkeiten des Schauspielhauses offenbar unüberwindbar schienen. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich mich mit den vielen Rücktritten in der letzten Zeit schwertue, denn es gibt immer auch eine Verantwortung für die Mitarbeiter, die man zurücklässt.“    Lux warnte davor, zu glauben, man könne mit einer Schließung des Schauspielhauses Geld sparen.    Der Vorgänger von Lux, Ulrich Khuon, inzwischen Intendant des Deutschen Theaters in Berlin, zeigte sich im Gespräch „geschockt“. Er kenne keinen Fall, dass ein Intendant seinen Rücktritt mit einer Frist von nur zwei Wochen angekündigt habe. Khuon sagte: „Das ist für ein Haus eigentlich eine Katastrophe, zumal ja davon auszugehen ist, dass auch zum Ende dieser Spielzeit kein neuer Intendant zu finden ist für das Deutsche Schauspielhaus.“   Für Frank Baumbauer, von 1993 bis 2000 selbst Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, sind die Auseinandersetzungen um die Theaterfinanzen Teil seines Berufs. „Meiner Meinung nach kann man nicht einfach das Handtuch werfen“, sagte der 65-Jährige. „Man muss mit Problemen umgehen können und wenn, dann einen fairen Schnitt zum nächstmöglichen Termin suchen.“ Seiner Meinung nach handelte Schirmer überstürzt. „Er hat die Nerven verloren“, sagte Baumbauer. Schirmer hatte in Hamburg einen Vertrag bis Sommer 2015. dpa/Tsp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben