Kultur : Schlag zu, Junge

Schwarz und Weiß: Paul Morrisons Kinderfilm „Davids wundersame Welt“

Silvia Hallensleben

Freundlich sind die neuen Nachbarn ja. Doch die lautstarke Lebensfreude der schwarzen Jamaikaner ist den Wisemans trotzdem nicht geheuer. Dabei sind die jüdischen Zuwanderer in der weißen SüdLondoner Reihenhaus-Siedlung der Sechzigerjahre selbst Außenseiter. Echt unheimlich wird es aber, als im Nachbargarten erst die Blumen abgeholzt und dann Zaunpfosten errichtet werden, ein riesiger Käfig obendrauf. Der kleine David (Sam Smith) begreift vermutlich schneller als mancher im Zuschauerraum, dass hier kein Hühnerkäfig gebaut wird, sondern ein Cricket-Übungsplatz. Denn der neue Nachbar Dennis und David teilen die Leidenschaft für den elitären britischen Nationalsport – mit dem kleinen Unterschied, dass der Jamaikaner ein Meister seines Fachs ist, während der Knabe ausgerechnet in seinem Lieblingssport kläglich versagt.

Doch jetzt hat er einen Lehrer. Und nach ersten Widerständen zeigt sich auch Davids vernachlässigte junge Mutter (Emily Woof) zugänglich für die Attraktionen des lebensweisen Mannes. Fast schon sind die Ehen der zwei gottesfürchtigen Nachbar-Familien in Gefahr. Doch dann siegt doch noch die züchtige Vernunft. Und auch später, als die offene rassistische Gewalt über die Nachbarsfamilien hereinbricht, endet nach kurzem Theaterdonner alles in eitler Versöhnung, selbst die böse Mrs. Wilson schaut wohlwollend übern Zaun.

Ein Märchen? Aber für wen? In seiner Harmoniesucht hat der britische Film „Davids wundersame Welt“ (Regie: Paul Morrison), der auf dem Kinderfilmfest der Berlinale und unter dem Originaltitel „Wondrous Oblivion“ auf dem Jewish Film Festival zu sehen war, fast hollywoodeskes Format. Dabei ist der Versuch, in einem period piece jüdisch-schwarze Freundschaft zu beschwören, in seinen schematischen Kontrastierungen für das kindliche Gemüt durchaus geeignet. Doch als Begleitperson kommt eigentlich nur die nette Oma in Frage, die sonst lieber ein gutes Buch oder die „Brigitte“ liest. Großmütter, meldet euch!

In Berlin läuft der Film in den Kinos Cinemaxx Potsdamer Platz und Kino in der Kulturbrauerei

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben