Kultur : Schlechte Absichten

CHRISTINE WAHL

"Bad Actors" ist schlechtes Theater."Bad Actors" ist ganz schlechtes Theater.So gesehen ist in den Sophiensälen einer der seltenen Abende gelungen, an denen Realität und Anspruch zur Deckung gelangen.

Es ist nämlich so, daß sich "Bad Actors" - eine Koproduktion des Theaters Mahagoni mit der griechischen Theatre Company Notos - eineinhalb Stunden lang an der "Kultivierung des schlechten Geschmacks", namentlich "im Reich der Menschendarstellung", erprobt.Einer der Höhepunkte des Happenings besteht in einem Männerstrip, der den Darstellern die Möglichkeit bietet, neben einer Art Cowboyhut vor allem ihre hellen Kurzsocken in Szene zu setzen.Ansonsten: eine Abfolge mehr oder weniger zusammenhängender Szenen - mit nacktem Performer als tragendem Motiv.

Wortlos gibt er den Hintergrund für Shakespeare-Verblödelungen ab, und ein bißchen halbseiden tänzelt er über die Bühne, wenn es später darum geht, wie Moliere zu spielen sei.Auf Shakespeare und Moliere mit nackten Männern von eher durchschnittlicher Attraktivität sind die "Bad Actors" offenbar deshalb verfallen, weil sie - ihrem Programmtitel gemäß - sämtliche gängigen Theatermoden ironisieren wollen.Und da unter die Kategorie des schlechten Theater von jeher jene des Mitmach-Theaters fällt, schreitet das eine oder andere Ensemblemitglied irgendwann auch mal ins Publikum aus, um "Deutschmarks" einzufordern.Ganz schlechtes Theater ist natürlich immer auch das sogenannte wirkliche Leben, das ja in Gestalt der "Live Art" mehr und mehr über das Off-Theater hereinbricht.Zwischen "Hamlet" und "Don Juan" spielen die "Bad Actors" daher immer wieder sich selbst.Da muß dann eine Performerin auf einer Kiste mit der Aufschrift "Lügendetektor" stehend ihrem Kollgen erklären, warum sie sich ständig in "loser" verliebt.Witzig, subtil? Kaum.Für wirklich gutes schlechtes Theater erschöpfen sich die "Bad Actors" zu sehr in der Vorführung theatraler Feindbilder und anderer Klischees - so arbeiten sie sich an abgegrasten Oberflächen ab.

14.Februar, jeweils um 20 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben