Schlingensief : "Er war ein Wachrüttler"

Reaktionen auf den Tod von Christoph Schlingensief.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat „tief betroffen“ auf den Tod von Regisseur Christoph Schlingensief reagiert. „Ein großer Theatermann verlässt die Bühne“, sagte Wowereit am Samstag. Schlingensiefs Name sei mit dem Ruf der Berliner Volksbühne als einem großen gesamtdeutschen Theater verbunden.

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hat Schlingensief als großen Filmemacher und politischen Künstler gewürdigt. Er habe im wahrsten Sinne gemacht, was er wollte. Schlingensief sei ein Mensch gewesen, der sich aus einer tiefen moralischen Überzeugung heraus über Ungerechtigkeiten aufgeregt habe, sagte Kosslick am Samstag im rbb-Inforadio. Mit seiner Kunst habe sich Schlingensief gegen Abschiebungen, Rassismus und Menschenrechtsverletzungen engagiert.

Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz, der als früherer Verwaltungsdirektor der Volksbühne mit Schlingensief zusammengearbeitet hatte, würdigte ihn als wunderbaren Menschen und herausragenden Künstler: „Ein Theatermacher, dessen Provokationen uns fehlen werden.“

Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth ist nach eigenen Worten bis ins Mark erschüttert. „Dieser verdammte Krebs! Mit Christoph Schlingensief verliert die Bundesrepublik einen der kreativsten, vielseitigsten und radikalsten Künstler“, erklärte Roth am Samstag in Berlin. „Er hat unser Land mit seinen Arbeiten in aller Welt vertreten - von Bayreuth bis zum Amazonas, von der Ruhr bis nach Burkina Faso. Die Vollendung seines Traumes von einem Operndorf in Afrika konnte er nicht mehr miterleben, aber die Hoffnung bleibt, dass dieses Projekt in seinem Sinne realisiert wird.“

Der Theatermacher und ehemalige Intendant unter anderem der Münchner Kammerspiele, Frank Baumbauer, hat den Schlingensief als „großartigen Wachrüttler“ gewürdigt. „Er war ein unglaublich wichtiger Kollege und Partner für die Theaterleute und hat wohl bei allen Menschen, die seine Arbeit verfolgten, einen bleibenden Eindruck hinterlassen“, sagte Baumbauer in einem Gespräch.

„Einer der größten Künstler, der je gelebt hat“ - das ist Schlingensief für die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. So einen wie ihn könne es nicht mehr geben, teilte die zurückgezogen lebende Autorin der österreichischen Nachrichtenagentur APA schriftlich mit. Schlingensief hatte die Uraufführung von Jelineks Stück „Bambiland“ 2003 am Wiener Burgtheater inszeniert. „Ich dachte immer, so jemand kann nicht sterben. Das ist, als ob das Leben selbst gestorben wäre.“ Schlingensief sei eigentlich nicht Regisseur, sondern DER Künstler schlechthin gewesen, schreibt Jelinek weiter. „Er hat eine neue Gattung geprägt, die sich jeder Einordnung entzogen hat. Es kann keinen wie ihn mehr geben. Ein furchtbar trauriger Tag.“ dpa

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