Kultur : Schlingensief probt für sein Nono-Projekt

Regisseur Christoph Schlingensief probt in diesen Tagen in Berlin für sein Projekt „Via Intolleranza II“, ausgehend von der Aktionsoper „Intolleranza 1960“ des italienischen Komponisten Luigi Nono. Der 49-Jährige hatte mit den Proben in Afrika begonnen, sie werden in Brüssel fortgesetzt. Erste Aufführungen sind für den Mai geplant: vom 15. – 18. Mai beim Kunstfestival in Brüssel, vom 23. – 26. Mai in der Hamburger Kampnagel-Fabrik und ab dem 24. 5. der Bayerischen Staatsoper München. Nächste Station sind die Wiener Festwochen im Juni. Unterstützt wird die Koproduktion auch vom Goethe-Institut und von drei Berliner Theatern: dem Maxim-Gorki-Theater, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und dem Hebbel am Ufer.

Auf seiner Website betont Schlingensief, dass es sich bei „Via Intolleranza II“ nicht um eine Produktion seines Operndorfs handelt, das zurzeit in Burkina Faso errichtet wird. Er nennt das Projekt zwar „das erste Stück materialisierte afrikanische Operndorf-Utopie, das nach Europa zurückkommt“. Aber es handele sich um eine „begleitende“ Forschungsarbeit, „die den Versuch unternimmt, Schritt für Schritt zu begreifen, warum wir ständig dem afrikanischen Kontinent helfen wollen, obwohl wir uns selber schon lange nicht mehr helfen können“. Nonos Werk „Intolleranza 1960“, uraufgeführt bei der Biennale 1961 in Venedig, sei ein Schlüsselwerk der europäischen Oper des 20. Jahrhunderts. Mit dieser „sozial engagierten Musik“ habe der Komponist ein Statement gegen Rassismus, Intoleranz und staatliche Gewalt verfasst. Wie berichtet, wird der an Krebs erkrankte Regisseur am 3. Oktober auch die Ausweichspielstätte der Berliner Staatsoper im Schillertheater eröffnen, mit der Uraufführung von Jens Joneleits Oper „Metanoia – über das Denken hinaus“. dpa /Tsp

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