Kultur : Schloss, aus, fertig

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Bernhard Schulz über

die Reaktionen auf das Ja des Bundestages

Die Abstimmung des Parlaments über die Gestalt eines künftigen Gebäudes auf dem Berliner Schlossplatz hat ein gewaltiges Echo gefunden. Die Zeitungen sind voller Beiträge, die das Für und Wider der Entscheidung ein weiteres Mal rekapitulieren, voller Stimmen, die sich zum Mehrheitsvotum vom Donnerstagabend äußern. Man kommt nicht umhin, sich leise zu wundern. Denn wenn auch die Entscheidung des Bundestages einen Schlusstrich gezogen hat unter eine Debatte, die immerhin ein volles Dutzend Jahre gedauert hat, so sind doch die Argumente hinlänglich bekannt. Nichts, rein gar nichts ist ungesagt geblieben; ob es von allen gehört wurde, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die Schloss-Gegner wollten dabei wohl am wenigsten zuhören.

Traurig genug, dass Akademie-Präsident György Konrád sich vor der Bundestags-Abstimmung dazu drängen ließ, vom „Furor teutonicus“ zu sprechen, der da „auf Biegen und Brechen“ entscheiden wolle. Gerade das ist eben nicht geschehen. Es hat die quälend langwierige Debatte gegeben, und es hat zuletzt die Arbeit der „Kommission Historische Mitte Berlin“ gegeben, deren gedruckte Empfehlungen sorgfältig studieren sollte, wer je sich noch zum Schloss-Problem äußern will.

Enttäuschend, wenn auch leider verständlich sind die Reaktionen der Architekten. Ihren obersten Standesvertreter, den Präsidentenb der Bundesarchitektenkammer Peter Conradi, darf man dabei getrost abziehen. Der Ex-Abgeordnete hat sich mit seinem schrillen Aufruf „Geben Sie Gedankenfreiheit“ selbst das denkbar armseligste Zeugnis ausgestellt. Gedankenfreiheit hat stets geherrscht; nicht zuletzt bei dem grandios gescheiterten Wettbewerb zur Spreeinsel, der 1994 mit weit über 1000 Einreichungen nur eines zeigte: dass keiner der Vorschläge vor der historischen Leistung eines Andreas Schlüter bestehen kann Aber auch diejenigen Architekten, die alle Gelegenheit hatten, in Berlin zu bauen, sollten nicht an der Legende stricken – mit den Worten des Hamburgers Meinhard von Gerkan –, der „zeitgenössischen Baukultur sei die Chance versagt worden, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft zu bauen“. Der ganze Prozess des Hauptstadtum- und neubaus war – man denke nur an den Reichstag – ein Brückenschlag zwischen Gestern und Morgen, mit beeindruckenden, auch künftig Stand haltenden Resultaten. Das fehlende Schlüter-Schloss aber markiert die Leere in der Mitte Berlins, die anders nicht gefüllt werden kann, und allein der „Kult um die offene Wunde“ – wie Antje Vollmer ihn treffend genannt hat – ist wahrlich von Gestern. Erledigt, intellektuell erledigt.

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