Kultur : Schloss Babelsberg: Mehr als eine romantische Sommerresidenz

Helmut Caspar

Mühsam ist es und auch ein wenig langweilig, in der neogotischen Bibliothek des Babelsberger Schlosses dicke Farbschichten von den Wänden abzutragen. Doch was unter bis zu acht Anstrichen gefunden wird, lohnt die Mühe: dunkelblaue Preußenadler auf hellblauem Grund aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommen zum Vorschein. Die lädierten Schablonenbilder werden in den kommenden Wochen retuschiert. Der Raum erhält nahezu sein ursprüngliches Aussehen zurück, sagt Restaurator Andreas Liebe. Doch ob das im Moment alles finanzierbar ist, scheint mehr als fraglich.

Vom 5. August bis 28. Oktober soll hier eine Ausstellung zur Erinnerung an eine berühmte Bewohnerin des Schlosses Babelsberg eröffnet werden - Victoria Princess Royal von Großbritannien, besser bekannt als Kaiserin Friedrich. Die Gedenkausstellung soll auch das soziale Engagement und die künstlerischen Fähigkeiten der vor einhundert Jahren verstorbenen Victoria dokumentieren. Nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1888 hat Kaiser Wilhelm II. seine Mutter, die sich nach alter Tradition den Namen ihres Mannes beilegte, politisch kalt gestellt. Ihre Tragik war es, dass sie politisch nie richtig zum Zuge kam und auch ihre liberalen Ideen nicht anwenden konnte. Sie zog sich aus dem Krongut Bornstedt bei Sanssouci nach Schloss Friedrichshof in Kronberg (Taunus) zurück, wo sie am 5. August 1901 61-jährig starb. Bestattet freilich wurde sie im Park Sanssouci.

Auf einem hügligen Gelände oberhalb der Havel nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel, Ludwig Persius und Johann Heinrich Strack zwischen 1834 und 1849 errichtet, war Schloss Babelsberg die "romantische" Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm I. und seiner Gemahlin Augusta. Auch ihr Sohn, der spätere Kaiser Friedrich III., und seine englische Gemahlin hielten sich hier viel auf. Mit der Restaurierung der Bibliothek setzt die Preußische Schlösserstiftung ein Zeichen. Sie hatte das burgenartige Bauwerk nach dem Auszug des Brandenburgischen Landesmuseums für Ur- und Frühgeschichte nach Wünsdorf von Dach bis Keller untersuchen lassen und erhebliche Schäden festgestellt, die nach und nach behoben werden.

Geplant ist die Nutzung der Sommerresidenz als Museumsschloss. Die Sanierungs- und Restaurierungskosten sind erheblich, viele Millionen kommen zusammen. "Uns stehen in diesem Jahr für Baumaßnahmen lediglich 1,05 Millionen Mark für besonders dringliche Maßnahmenzur Verfügung - Schwammsanierung, Dachdeckung und andere Sicherungsarbeiten. Weitere Maßnahmen im Obergeschoss des Schinkeltrakts folgen in den kommenden Jahren", sagt Schlösserdirektor Burkhardt Göres.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als fast das gesamte Babelsberger Inventar sowie Gemälde und Möbel anderer Schlösser von der Roten Armee mitgenommen wurden (von denen glücklicherweise vieles 1958 wieder zurückkam), war das Schloß Babelsberg zweckentfremdet genutzt worden. Zunächst war hier eine Richterschule, dann die DDR-Akademie für Staat und Recht "Walter Ulbricht" und die Filmhochschule untergebracht. Nach deren Auszug fand 1963 das Museum für Ur- und Frühgeschichte in den Schlossräumen ein Unterkommen. Um archäologische Ausstellungen zeigen zu können, hat man Wände zugestellt und Decken abgehängt. "Vieles wurde damals umgebaut, verändert und zugenagelt, sogar Kamine verschwanden. Zum Glück aber lassen sich die historischen Ausmalungen und Stuckaturen zum großen Teil restaurieren, wie eine Durchsicht der nun freigewordenen Räume zeigt", ist Göres überzeugt.

Auch der Park und sein Wegesystem werden in die historische Form zurückgeführt. Eine besondere Attraktion werden die Wasserspiele sein. Darunter der 42 Meter hohe Geysir in der Havel, der die großartige Sicht von der Glienicker Brücke auf das Schloss vollenden wird. Zu den aktuellen Erschließungsarbeiten im Park gehören laut Göres die Wiedergewinnung der von Hermann Fürst Pückler geschaffenen Bepflanzung des "Babertsbergs", der später Babelsberg hieß, und die Freilegung markanter Sichtachsen. Ein wichtiges Besuchsziel ist der Flatowturm, in dessen restaurierten Räumen unter anderem Exponate zur Turmgeschichte gezeigt werden. Von ihm hat man einen herrlichen Rundblick auf die Potsdamer Schlösserlandschaft bis hinüber zum Belvedere auf dem Pfingstberg und zum BUGA-Gelände.

Der Babelsberger Park war im nördlichen Bereich durch Bauten der Staats- und Rechtsakademie völlig entstellt, außerdem war bis zum Fall der Mauer 1989 ein Abschnitt als ein mit Stacheldraht, Minenfeld und Hunden gesicherter Grenzstreifen nach Westberlin unzugänglich. Dieser Teil ist bereits rekultiviert. Über das Schicksal der hässlichen Akademiebauten ist noch nicht abschließend befunden. Die Schlösserstiftung sieht ihren Abriss heute lieber als morgen.

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