Schloss Hubertusburg: Das "sächsische Versailles" : Karawane zu Saus und Braus

Nur vier Jahre konnte August III. von Hubertusburg aus Polen, Litauen und Sachsen regieren, dann plünderten die Preußen das Schloss. Zum 250. Jahrestag des Friedens von Hubertusburg erlebt die Jagdresidenz eine befristete Renaissance.

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Für fünf Monate ist Schloss Hubertusburg teilweise wieder geöffnet. Foto: Jörg Schöner, Dresden
Für fünf Monate ist Schloss Hubertusburg teilweise wieder geöffnet.Foto: Jörg Schöner, Dresden

Es ist eines der größten Jagdschlösser Europas, eine Anlage von gigantischen Dimensionen und doch ist Schloss Hubertusburg in Wermsdorf – gelegen zwischen Leipzig und Dresden – heute nahezu unbekannt, ein vergessenes Bauwerk mit einer prächtigen, aber auch traurigen Geschichte. Erstaunlich, dass man im Jahr 2013 in Sachen Schlössern in Deutschland immer noch eine Entdeckung machen kann. Schloss Hubertusburg macht staunen.

Eigentlich ist es für Wermsdorf, selbst für Sachsen eine Nummer zu groß, legt man den deutschen Maßstab an. Der kleine Ort Wermsdorf verfügt schon über ein Renaissance-Jagdschloss, in dem heute die Stadtverwaltung untergebracht ist, doch August dem Starken war es zu umständlich, dieses Jagdschloss zu modernisieren. So ließ er für seinen Sohn ein neues, größeres Schloss auf einer Anhöhe planen, die Bauarbeiten begannen 1721. Als August der Starke starb und sein Sohn August III. die Macht übernahm, wählte er Schloss Hubertusburg zu seiner zweiten Residenz. Johann Christoph Naumann hatte dieses monumentale Schloss geplant und gebaut. Zuerst war es eine dreiflügelige Anlage, die sich zu einem Cour d’Honneur, einem Ehrenhof, öffnete.

Ein Schloss meldet sich zurück
Schloss Hubertusburg zeigt sich nach langem Dornröschenschlaf zumindest von seiner Hofseite in voller Pracht. Die größte Jagdresidenz Europas, die August der Starke für seinen Sohn bei Wermsdorf erbauen ließ, wurde zumindest im Ehrenhof aus Anlass des 250. Jahrestag des Friedens von Hubertusburg restauriert. Foto: Rolf BrockschmidtWeitere Bilder anzeigen
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03.06.2013 12:32Schloss Hubertusburg zeigt sich nach langem Dornröschenschlaf zumindest von seiner Hofseite in voller Pracht. Die größte...

Als 1733 August III. den Thron bestieg, schien ihm Hubertusburg zu klein für seine Ambitionen. Er beauftragte den Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel, das Schloss zu erweitern. Die U-förmigen Seitenflügel wurden nun H-förmig links und rechts erweitert. Entstanden ist ein beeindruckendes Ensemble, das zunächst für einen Kurfürsten von Sachsen als Jagdresidenz völlig überdimensioniert erschien.

Aber August der III. war auch König von Polen und Großherzog von Litauen sowie Kurfürst von Sachsen. Betrachtet man seine Ambitionen aus europäischer Perspektive, versteht man schon eher, warum er in Wermsdorf mit der Erweiterung von Hubertusburg so auftrumpfen musste. Dresden war zwar prächtig und pompös, doch ein Schloss, eingezwängt in der Stadt, erlaubte keine großzügige Gestaltung mit Garten und Jagdrevier. Da kam ihm der Bau von Schloss Hubertusburg schon gelegen. Diese mächtige Anlage war zwar offiziell „nur“ ein Jagdschloss, aber da August III. ein begeisterter Jäger, Freund der Oper und Gastgeber prächtiger Feste war, hielt er sich auch gerne im Sommer bis in den späten Herbst mit seinem gesamten Dresdner Hofstaat auf Schloss Hubertusburg auf.

Schlossherr August III. ist in Meissener Porzellan zurückgekehrt. Foto: Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Schlossherr August III. ist in Meissener Porzellan zurückgekehrt.Foto: Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Das heißt, wenn August III. dort weilte, wurden von Hubertusburg aus Sachsen, aber auch Polen und Litauen regiert. Logistisch ein irrwitziges Unternehmen, denn rund 2000 Menschen mit Wagen und Pferden machten sich in einer Karawane von Dresden nach Wermsdorf auf, um sich in den Räumlichkeiten von Schloss Hubertusburg einzurichten. Natürlich reichten die Örtlichkeiten nicht aus, so dass auch in der Umgebung des Schlosses Bedienstete untergebracht werden mussten.

Auch die Diplomaten, die am Hofe in Dresden akkreditiert waren, sahen sich gezwungen, der Karawane nach Wermsdorf zu folgen, was manch angenehme Begleiterscheinungen mit sich brachte. August III. war bekannt für seine ausschweifenden Feste, seine ambitionierten Opernaufführungen und seine üppigen Jagdgesellschaften. Wer mitreden wollte, musste im Sommer auf Schloss Hubertusburg sein.

„Dort repräsentierte der König von Polen August III. mit dem größten Aufwand, dort war er am glücklichsten. Seine ganze Familie versammelte er dort, alle fremden, an seinem Hof residierenden Minister folgten ihm dorthin, auch alle bürgerlichen und militärischen Würdenträger seines Staates und alle irgendwie angesehenen Fremden, die sich zur Zeit der Jagdsaison in Dresden aufhielten. Alle diese Leute wurden vom König untergebracht, bewirtet und ausgehalten, und das Leben, das man in Hubertusburg führte, konnte wirklich köstlich genannt werden“, berichtete Stanislaw August Poniatowski, der später der letzte König von Polen werden sollte.

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