Kultur : Schlossplatz- Kommission: Zuerst die Henne oder das Ei?

Christina Tilmann

In ihrer letzten Sitzung hat die "Internationale Expertenkommission Historische Mitte Berlin" am Donnerstag über ihren Abschlussbericht beraten, der am 17. April vorgestellt werden soll. Darin schlägt sie, wie berichtet, als Nutzungskonzept ein Forum der Kulturen der Welt auf dem Schlossplatz vor. Hannes Swoboda, Vorsitzender der Kommission, rechnet damit, dass die Pläne in acht bis zehn Jahren verwirklich werden können. Zuletzt einigte sich die Kommission im Dezember auf die Errichtung eines Gebäudes "in der Stereometrie des Schlosses" und mit zumindest drei rekonstruierten Fassaden. Besonders an diesem Punkt hatte sich in den letzten Wochen immer wieder die Diskussion entzündet, die (knappe) Entscheidung ist auch innerhalb der Kommission nicht unumstritten.

Dass die Kommission eine undankbare Aufgabe übernommen hatte, wurde am Vortag der Sitzung bei einer Diskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung im BKA Luftschloss noch einmal deutlich. Da mochten der Kommissionsvorsitzende Hannes Swoboda und Stadtentwicklungs-Senator Peter Strieder noch so sehr das hervorragende Nutzungskonzept loben, das Deutschland einen Weg in einen globalen Dialog weisen werde. Das sehr zahlreich erschienene Publikum interessierte sich ganz offensichtlich nur für die Frage: Schlossfassade oder nicht?

So erinnerte der Abend streckenweise an eine Mitgliederversammlung der Schlossbefürworter. Strieder erntete ein heftiges Buhkonzert, als er verkündete: "Wäre ich bei der Abstimmung über die architektonische Gestaltung nicht durch Koalitionsverhandlungen verhindert gewesen, wir hätten keine Mehrheit für das Schloss." Auch Kultursenator Thomas Flierl war zu den Sitzungen der Schlosskommission, der er als dritter Kultursenator in Folge angehört, gar nicht erst erschienen, wie Moderator Friedrich Dieckmann tadelnd bemerkte. Auch er machte aus seiner Ablehnung einer Schlossrekonstruktion keinen Hehl. Solange jedoch kein Bauherr gefunden sei, so der Senator realistisch, sei es wenig sinnvoll, über ästhetische Gestaltungen zu streiten.

Der Architekt Christoph Sattler konnte die Sympathien eher wecken. Das Nutzungskonzept reiße ihn nicht von Hocker, erklärte er. Eine Mischung aus Museum, Konzertsaal, Theater und Versammlungsräumen gebe es in vielen europäischen Schlössern, zum Beispiel in der Münchner Residenz. "Viel spannender finde ich die Frage, ob es ein Verrat an moderner Architektur ist, sich traditioneller Formen zu bedienen. Meine Antwort heißt: Nein."

Zuerst die Henne oder das Ei, zuerst die Nutzung oder die architektonische Gestalt, war die Frage, die am Ende ungeklärt im Raum stehen blieb. Dass die Diskussion über die "umstrittene Mitte" Berlins auf der Stelle tritt, erfüllte nicht nur den klug und kritisch moderierenden Dieckmann mit Unbehagen. In vielen Fragen besteht noch Klärungsbedarf: Der Vorschlag, eine europäische Business School im Staatsratsgebäude unterzubringen, verschiebt die Pläne der Kommission. So wird es wohl noch einige Jahre bei dem "Luftschloss" auf dem Schlossplatz bleiben.

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