Kultur : Schluss mit Cliquenwirtschaft!

Die Deutsche Filmakademie ist gegründet – und versammelt viele Stars der Branche. Wird sie bald den Filmpreis ausrichten?

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„Ein Verein, bei dem Detlef Buck Kassenwart ist, kann nicht ganz falsch sein.“ Regisseur Andreas Dresen hat Recht: Die Namensliste der knapp 100 Gründungsmitglieder der Deutschen Filmakademie ist in der Tat beeindruckend. Das Präsidium teilen sich die Schauspielerin Senta Berger und der Produzent Günter Rohrbach, dessen heitere Gelassenheit ihm mittlerweile den Nimbus eines Richard Weizsäckers der Branche verleiht. Den Vorstandsvorsitz stellen die Schauspielerin Katharina Thalbach, Kameramann Michael Ballhaus und Produzent Stefan Arndt. Zum übrigen 11köpfigen Vorstand gehören Andreas Dresen, Rolf Zehetbaur, Jürgen Vogel und der Wenders-Produzent Uli Felsberg. Unter den übrigen Gründungsmitgliedern finden sich Mario Adorf, Brandauer, Geissendörfer, Helmut Dietl, Doris Dörrie, Caroline Link, Schlöndorff, Tykwer, Wenders, Sönke Wortmann ...: fast schon das „Who is Who“ der deutschen Filmszene.

Die am Montag gegründete Akademie, betont Günter Rohrbach beim Pressegespräch im Berliner Hotel Adlon, wolle keineswegs nur die Deutschen Filmpreise ausrichten. Ein Forum, endlich, sagt Jürgen Vogel. Schluss mit der Cliquenbildung! Erfahrungsaustausch, Bildung, Nachwuchsförderung! Anderes Dresen freut sich über die neue Kommunikationsbörse. Buck mahnt pünktliche Beitragszahlung an. Und Ballhaus spricht von einer überfälligen Gründung, haben doch alle anderen Filmnationen längst solche Vereine – ja, die Rechtsform ist die eines Vereins –, in denen die Branche sich mit sich selbst verständigt. Aber natürlich geht es auch und vor allem um den mit etwa 3 Millionen Euro staatlichen Fördergeldern dotierten Filmpreis.

Wenn sie dann auf 500 bis 1000 Mitglieder gewachsen ist – alle bisherigen Filmpreisträger sowie Kollegen, für die sich je zwei Mitglieder verbürgen, können für 250 Euro pro Jahr dabei sein – wird Christina Weiss sich festlegen müssen. Und zwar in der Frage, ob sie der staatlich unabhängigen Akademie ab 2005 die Entscheidung über die staatlich dotierten Filmpreise überträgt, statt wie bisher einer Jury. Zwar betont ihr Pressesprecher, der Preis bleibe rein staatlich. Aber die Gründerväter haben sich bereits mit der Kulturstaatsministerin abgestimmt: Ein Gesprächsergebnis ist das komplizierte, dreistufige Auswahlverfahren für die Preiskandidaten.

Ob damit auch die Kritiker einer Verquickung von kultureller Filmförderung mit der neuen Branchenplattform ins Boot zu bekommen sind? Immerhin: Helma SandersBrahms, Unterzeichnerin eines Protestbriefs, ist seit Montag Gründungsmitglied. chp

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